Lexikon der Filmbegriffe

Schärfeverlagerung

auch: Schärfenverschiebung, Schärfenverlagerung, Umschärfung; engl. rack focus, manchmal: pull focus, shift focus, throw focus, selten: selective focussing

Während einer Aufnahme wird die Schärfe gelegentlich verstellt (man spricht dann im einen Fall von follow focus, im anderen von change focus) – aus zwei unterschiedlichen Motiven: (1) weil ein Akteur sich in der Tiefe des abgebildeten Raumes bewegt und die Schärfentiefe der Bewegung nachgeführt wird oder (2) weil im Tiefenfeld des Bildes durch Verlagerung des Schärfenpunktes ein neues Objekt oder ein neuer Akteur akzentuiert werden soll. Im ersteren Fall ist der Fokus topikal gebunden, im zweiten wechselt er. Der Fokus wird vor allem in Teleaufnahmen verstellt, wenn das Schärfentiefenfeld recht klein und die Veränderung signifikant ist. Funktional ist eine Fokusverlagerung oft einem Schnitt äquivalent, weil das zweite Bild ein ganz anderes Bildthema hat als das erste. Allerdings machen die Aufnahmen oft den Eindruck, eine Beobachterposition darzustellen, so dass die Fokusbewegung der willentlichen Verschiebung der Aufmerksamkeit einer nicht gezeigten Instanz des Sehens korrespondiert.

Literatur: Smid, Tereza: Jenseits der Aufmerksamkeitslenkung. Narrative und ästhetische Wirkungsmöglichkeiten der Schärfenverlagerung. In: Bildtheorie und Film. Hrsg. v. Thomas Koebner u. Thomas Meder. München: Ed. Text + Kritik 2006, S. 282-296.
 

Referenzen:

innere Montage


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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