Lexikon der Filmbegriffe

small town movie

Die Kategorie der Kleinstadt ist aus der „inneren“ Soziologie des Films abgeleitet – den in einem Film abgebildeten sozialen Verhältnissen. Ein small town film spielt in einem überschaubaren Gemeinwesen, in dem jeder jeden kennt und in dem sehr weit gehende soziale Kontrolle ausgeübt wird. Der small town gegenüber steht der Großstadtdschungel, gekennzeichnet durch Anonymität, Unüberschaubarkeit und Unkontrollierbarkeit. In der small town sind die Personen bekannt, ihre Identität ist stabil, das Annehmen fremder Identitäten nur im offenen Spiel, bei Maskerade und Karneval möglich. Die Unsicherheit der Identität, das Spiel mit Namen und Pässen ist Charakteristikum des Großstadtdschungels. In der small town finden sich die Kommunikations- und Verkehrsformen nachbarschaftlichen Kontaktes, die Adressierung ist personell, es kann die gemeinsame Kenntnis des Lebensraumes unterstellt werden. In einer großstädtischen Gemeinschaftsform finden sich entsprechend anonyme Kommunikations- und Verkehrsformen, die Adressierung ist unpersönlich und diffus, ein als gemeinsam unterstellbares Wissen existiert so nicht. Die small town ist vor allem in den USA möglicherweise das Symbol einer nationalen Ideologie und kann in Verbindung mit den Wertvorstellungen gesehen werde, die mit Heirat, Familie und Freundschaft, Sexualität und Status, Arbeit und öffentlichem Leben sowie kommunaler Politik verbunden sind.
Beispiele finden sich in allen Phasen der Filmgeschichte.

Literatur: Kenneth MacKinnon: Hollywood's Small Towns: An Introduction to the American Small-Town Movie. Metuchen, N.J.: Scarecrow Press 1984. – Emanuel Levy: Small-Town American in Film. The Decline and Fall of Community. New York: Continuum 1991.
 

Referenzen:

Dorf

Vorstadt-Krimi


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück