Lexikon der Filmbegriffe

Trümmerfilme

manchmal auch: Zeitfilme; engl.: ruin films; selten: rubble films

Mit dem Ausdruck Trümmerfilme bezeichnet man deutsche Filme, die zwischen Kriegsende und der deutschen Staatengründung sowohl von der DEFA wie in den West-Besatzungszonen produziert wurden. Mit bestechender Nonchalance und Hellsicht verarbeiten die Filme jener Zeit die jüngste, unaussprechliche Vergangenheit im Nazi-Deutschland. In Filmen wie Die Mörder sind unter uns (1946) und Film ohne Titel (1947) wird mit bitterem Witz der Überlebenswille der Davongekommenen diesseits und jenseits des Grabens zwischen Tätern und Opfern diagnostiziert; als Kulisse dienten die Trümmer von Berlin, was diesen Filmen einen eigenartig authentischen Anstrich gibt und ihnen den Namen „Trümmerfilme“ verlieh. Die Mörder sind unter uns von Wolfgang Staudte war die erste Produktion der DEFA. Staudtes Film ist einer der wenigen Trümmerfilme, der eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Schuld und Gewissen des ehemaligen Nazi-Regimes sucht. Film ohne Titel von Helmut Käutner ist ein ironisches Spiegelbild des Lebensgefühls im Deutschland der unmittelbaren Nachkriegszeit. In beiden Filmen brillierte die damals noch junge Hildegard Knef in der Hauptrolle.

Literatur: Greffrath, Bettina: Spielfilme als Quellen für kollektive Selbst- und Gesellschaftsbilder in Deutschland 1945-1949. Pfaffenweiler: Centaurus 1994 (Medienwissenschaft. 9.).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: GF


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