Lexikon der Filmbegriffe

Trompe l'œil

frz.: ‚Augentäuschung‘; manchmal: Trompe-l‘Oeil-Effekt

Illusionistische Maltechniken lassen sich verstärkt im 4. vorchristlichen Jahrhundert und in der Renaissance feststellen, zeitgleich mit einer intensivierten Naturforschung und der Zuwendung zu den geometrischen Gesetzmäßigkeiten der perspektivischen Raumkonstruktion. Sie erhielten durch die Entwicklung der Ölmalerei ein verbessertes Ausdrucksmittel und wurden im Barock dann in der bekannt gewordenen Trompe-l’œil-Malerei perfektioniert und von der Darstellung kleinerer Alltagsgegenstände auf eine illusionistische Raumgestaltung übertragen. In Verbindung mit computergestützten Simulationstechniken gewinnen illusionistische Bilder gegenwärtig unter dem Stichwort „Virtuelle Realität“ (VR) an Einfluss.
Es sollte unterschieden werden zwischen der illusionistischen Wirkung einzelner Bildelemente und des gesamten Bildes. Der Täuschungseffekt einzelner Bildelemente ist daran gebunden, dass relativ vertraute Objekte sowohl in eindeutiger Raumsituation als auch in eindeutiger Beleuchtungsperspektive zur Darstellung gebracht werden. Er ist besonders hoch, wenn die Distanz zum Betrachter vergrößert wird oder Objekte zur Darstellung kommen, die selber nur eine geringe Tiefe besitzen. Dass die illusionistische Wirkung das gesamte Bild betrifft, ist relativ selten und am ehesten noch in 3D-Kinoformaten oder insbesondere in hoch-immersiven virtuellen Umgebungen zu erwarten. Entsprechend lässt sich der illusionistische Effekt verstärken, wenn wir das Bild durch ein einfaches Rohr betrachten, denn nun rückt die Bildgrenze außerhalb des Sehfeldes, zudem werden so die Wirkungen des stereoskopischen Sehens aufgehoben, denen wir viele Tiefeninformationen verdanken. Damit allerdings überhaupt von einem Bild geredet werden kann, muss ein Bewusstsein darüber bestehen, dass wir es mit einer Darstellung zu tun haben, sonst würde einfach nur eine Verwechslung vorliegen.

Literatur: Ebert-Schifferer, Sybille (Hrsg.): Deceptions and Illusions. Five Centuries of Trompe l’Oeil Painting. Washington: National Gallery of Art 2002. – Gombrich, Ernst H.: Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Princeton (NJ): Princeton University Press 1960. – Mauriès, Patrick / Faust, Hella: Trompe-l'oeil. Das getäuschte Auge. Köln: DuMont 1998.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KSH


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