Lexikon der Filmbegriffe

Zentripetalität / Zentrifugalität des Filmbildes

In vielen anderen filmtheoretischen Untersuchungen zur Bildlichkeit der filmischen Einstellung spielt die Charakteristik des Wissens um die Ausschnitthaftigkeit dessen, was man sieht, eine wichtige Rolle, weil sich das Malerei-Bild gerade darin vom Film-Bild unterscheidet: Der Bildrahmen, der das Gemälde von der Umgebung abgrenzt, organisiere zugleich eine „zentripetale“ Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Gemälde selbst, behauptet Bazin. Dagegen sei das Film-Bild „zentrifugal“ angelegt, immer in den virtuellen Raum außerhalb des Bildes ausgreifend. Dieser Raum werde vor allem dann aktiviert, wenn Objekt- und Kamerabewegungen ihn einbeziehen oder akustisch auf ihn verwiesen wird. Der virtuelle Raum umfasst die Kameraposition selbst, so dass auch ein Umschnitt auf das contre champ möglich ist (Blick auf die Straße, Blick in ein Zimmer; in der [Kon-]Sequenz: „Dies ist das das Zimmer, aus dem man jenen Blick auf die Straße hat“). Die Annahme einer bildfähigen Welt außerhalb des aktuell dargebotenen Bildes ist die auffälligste und wichtigste Voraussetzung der Funktionsrolle, die Filmbilder in der Illusionierung des Handlungsraumes haben. Sie gehört unmittelbar zur Annahme der diegetischen oder thematischen Einheit der Mitteilung.

Referenzen:

Anschnitt

Raum

Suture


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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