Lexikon der Filmbegriffe

agent provocateur

Bezeichnet die Funktionsrolle eines Mannes oder einer Frau, die ein ursprünglich friedliches Gemeinwesen zu kriminellen Handlungen oder offener politischer Opposition antreibt. Die Rolle des agent provocateur wurde im zaristischen Russland erfunden: Die russische Geheimpolizei wollte die Serben dazu treiben, sich gegen die Türken zu erheben, was es wiederum Russland ermöglichte, den Türken den Krieg zu erklären. Die gleiche Strategie wurde 1905 dazu benutzt, die Sozialisten im Vorfeld des Revolutionsversuchs zu kriminalisieren. Das zaristische Regime setzte dazu vor allem Studenten ein, von denen es hieß, sie seien dazu in der Lage, eine Gruppe oder eine Partei schnell und effektiv zu emotionalisieren.
Im Film taucht die Rolle des agent provocateur in vielen politischen Konflikten auf. So spielt Marlon Brando in Queimada! (1968) einen englischen Agenten, der die schwarze Bevölkerung einer Zuckerrohrinsel zum Aufstand gegen die portugiesische Kolonialmacht treibt. Schon in Langs Metropolis (1927) wird der Roboter-Vamp Maria in die Arbeiterschaft eingeschleust, um sie zu einem Aufstand zu bewegen. In einem weiteren Sinne spielt Moritz Bleibtreu in Das Experiment (2000) einen Taxifahrer, der von Beginn an die Gruppe der Gefangenen gegen die Wächter aufhetzt. 


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: HJW


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