Lexikon der Filmbegriffe

Anschnitt

Anschnitt nennt man Objekte im Vordergrund eines Bildes, die nur teilweise im Bildausschnitt erscheinen (Teile der Dekoration, Requisiten, das Gesicht eines Gesprächspartners und ähnliches mehr). Anschnitte sind offene Bildkompositionen. Sie erleichtern dem Betrachter die räumliche Orientierung, geben dem Raum Tiefe. Sie gehören zu den zentrifugalen Qualitäten des Filmbildes, weil sie den szenischen Umgebungsraum nur im Ausschnitt wiedergeben, darum grundsätzlich Indikatoren eines größeren Raumes sind. In den Anschnitten ist darum die Differenz des ruhenden und des filmischen Bildes (cadre / cache bei Bazin) besonders deutlich greifbar: Während das geschlossene Bild einen Raum umschließt und auch gegen den Umgebungsraum abschließt, ist das filmische Bild immer „anschnitt-aktiv“, es enthält eine Reihe von Anschlüssen, die den Raum des Bildes in ein räumliches Feld hinein verlängern.
 

Referenzen:

Zentripetalität / Zentrifugalität des Filmbildes


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück