Lexikon der Filmbegriffe

empathisches Feld

Das Verstehen eines Filmes umfasst den Aufbau eines empathischen Feldes. Die Bindung an die Figuren basiert nicht allein auf der Versetzung des Zuschauers in die Perspektive eines einzelnen Akteurs oder einer einzelnen Rolle, sondern in der inneren Modellierung des Handlungsfeldes aller Beteiligten. Eine Geschichte ebenso wie eine Szene ist ein intentionaler Raum, ein Handlungsraum, dessen innere Kontur die subjektiven Interpretationen der Beteiligten umfasst. Darum bedarf das einfühlende Nacherleben resp. Miterleben die Simulation der Innensichten der Beteiligten, ihrer reziproken Bezugnahmen etc. Dieses macht das besondere an den empathischen Prozessen beim Verstehen von Filmen (und anderen Formen fiktionaler Unterhaltung) aus: Ich bin nicht einer einzelnen Figur gegenübergestellt, sondern einem ganzen Sozialsystem, das es von innen her zu durchdringen gilt.

Literatur: Wulff, Hans J.: Das empathische Feld. In: Film und Psychologie - nach der kognitiven Phase­? Hrsg. v. Jan Sellmer u. Hans J. Wulff. Marburg: Schüren 2002, S. 109-121. 


Artikel zuletzt geändert am 29.05.2012


Verfasser: HJW


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