Lexikon der Filmbegriffe

Hays-Code: Gründung

auch: Production Code; Hays Production Office; Hays Office;

Der Hays-Code steht möglicherweise für eines der größten Missverständnisse der Filmgeschichte: Er war nämlich keine staatliche Zensur, sondern der Versuch, diese durch Einrichtung einer freiwilligen Selbstkontrolle zu umgehen. In Amerika der 1920er Jahre hielten viele den ausschweifenden Lebensstil der Epoche für eine Ursache der Depression. Insbesondere nach dem Arbuckle-Skandal (1921) gründeten die Studios 1922 selbst die Regulierungsbehörde MPPDA (Motion Picture Producers and Distributors of America), die das Image Hollywoods verbessern und eine staatliche Zensur umgehen sollte. Zu diesem Zweck engagierten sie William Harrison Hays, den Wahlkampfchef des republikanischen Präsidenten Warren Harding, der hervorragende Kontakte zur Politik und eine gute Reputation bei den Moralhütern Amerikas hatte. Der von der MPPDA beschlossene Production Code, der oft auch Hays-Code genannt wird, war eine freiwillige Selbstbeschränkung der Filmindustrie, um zu vermeiden, dass staatliche oder lokale Gruppen Zensuren an ihren Filmen vornahmen. Dazu gehörte, dass (Gewalt-)Verbrechen nicht explizit gezeigt werden durften, keine Heroisierung von Kriminellen und erst recht keine sexuelle Perversion, was die damalige Umschreibung für Homosexualität war. Später wurden auch Angriffe auf die Institution der Ehe (vor- und außer-eheliche Verhältnisse) mitaufgenommen.

Referenzen:

Production Code

Hays-Code: Praxis und Ende


Artikel zuletzt geändert am 27.01.2012


Verfasser: TB


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