Lexikon der Filmbegriffe

Hays-Code: Praxis und Ende

Als 1933 nach dem Präsidentenwechsel ein nationales Zensurgesetz drohte, veranlasste Hays die MPPDA, den Code noch strenger zu fassen. Ab dem 1.7.1934 war er insofern verbindlich, dass die Studios für Filme ohne MPPDA-Siegel im Vorspann $25.000 zahlen mussten und – was schlimmer war – diese Filme nicht in die MPPDA-Kinos kamen, wozu die wichtigsten Premierenkinos gehörten. Der Hays-Code setzte de facto den geschmacklichen und politischen Standard der Hollywoodproduktionen. Die Macht des Codes geht erst in den 1960er Jahren zu Ende: Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes wurden Filme unter den Schutz künstlerischer Freiheit gestellt, und die Entscheidungen des Hays Office waren nicht mehr juristisch durchsetzbar. Gerichtliche Auseinandersetzungen um Filme wie Who‘s Afraid of Virginia Woolf? und Blowup veranlassten den neuen MPAA-Präsidenten Jack Valenti, den Hays-Code als eine seiner ersten Amtshandlungen 1967 zu Fall zu bringen. (Die Nachfolgeorganisation der MPDAA war The Motion Pictures Association of America, MPAA.)
Bei ihrem Versuch, externer Zensur zuvorzukommen, versuchten die Studios auch zu vermeiden, dass Szenen gedreht werden, die dann sowieso weggeschnitten wurden. Dadurch zwangen sie aber auch die Künstler zu teilweise interessanten Umgehungsstrategien (explizite Gewalt fand im Off statt, Dialoge waren oft zweideutig: bekannt sind auch Hitchcocks symbolische Darstellungen von Sexualität: Der Zug am Ende von North by Northwest fährt den Beischlaf symbolisierend in einen Tunnel, nachdem das Paar sich gerade gemeinsam in ein Bett gelegt hat).

Literatur: Leonard J. Leff / Jerold L. Simmons: The dame in the kimono: Hollywood, censorship and the Production Code from the 1920's to the 1960's. London: Weidenfeld & Nicolson 1990.

Referenzen:

Production Code

Hays-Code: Gründung


Artikel zuletzt geändert am 27.01.2012


Verfasser: TB


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