Lexikon der Filmbegriffe

Hays-Code

auch: Production Code

Der Hays-Code steht möglicherweise für eines der größten Missverständnisse der Filmgeschichte: Er war nämlich keine staatliche Zensur, sondern der Versuch, diese zu umgehen. In Amerika der 20er Jahre hielten viele den ausschweifenden Lebensstil der Epoche für eine Ursache der Depression. Insbesondere nach dem Roscoe-„Fatty“-Arbuckle-Skandal 1921 (Arbuckle wurde der Vergewaltigung und des Mordes angeklagt, nachdem eine junge Schauspielerin auf einer wilden Party stark betrunken zu Tode kam) gründeten die Studios selber die MPPDA (Motion Picture Producers and Distributors of America), um das Image Hollywoods zu verbessern und eine staatliche Zensur zu umgehen. Zu diesem Zweck engagierten sie Will Hays, den Wahlkampfchef des republikanischen Präsidenten Warren Harding, der hervorragende Kontakte zur Politik und eine gute Reputation bei den Moralhütern Amerikas hatte. Der von der MPPDA beschlossene „Production Code“, der oft auch Hays-Code genannt wird, war eine freiwillige Selbstbeschränkung der Filmfirmen, um zu vermeiden, dass staatliche oder lokale Gruppen Zensuren an ihren Filmen vornahmen. Dazu gehörte, dass (Gewalt-)verbrechen nicht explizit gezeigt werden durften, ebensowenig die Heroisierung von Kriminellen und erst recht keine sexuelle Perversion, was die damalige Umschreibung für Homosexualität war. Später wurden auch Angriffe auf die Institution der Ehe (vor- und außer-eheliche Verhältnisse) mitaufgenommen. Insgesamt finden sich teilweise absurde Einschränkungen der MPPDA-Zensoren. Als 1933 nach dem Präsidentenwechsel ein nationales Zensurgesetz drohte, veranlasste Hays die MPPDA, den Code noch strenger zu fassen. Ab 1934 war er verbindlich insofern, dass die Studios für Filme ohne MPPDA-Siegel im Vorspann $25.000 zahlen mussten und - was schlimmer war - diese Fime nicht in die MPPDA-Kinos kamen, wozu die wichtigsten Premierenkinos gehörten. Der "Hays-Code" war de facto Standard. Er galt bis zu Beginn der 60er Jahre.
Bei ihrem Versuch, externer Zensur zuvorzukommen, versuchten die Studios auch zu vermeiden, dass Szenen gedreht werden, die dann sowieso weggeschnitten wurden. Dadurch zwangen sie aber auch die Künstler zu teilweise interessanten Umgehungsstrategien (explizite Gewalt fand im Off statt, Dialoge waren oft zweideutig: bekannt sind auch Hitchcocks symbolische Darstellungen von Sexualität: Der Zug am Ende von North by Northwest fährt den Beischlaf symbolisierend in einen Tunnel, nachdem das Paar sich gerade gemeinsam in ein Bett gelegt hat).

Referenzen:

Production Code Administration (PCA)


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: TB


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