Lexikon der Filmbegriffe

Protokoll

von griech. protos = der erste; kolla = der Leim

Bezeichnete im Griechischen das einer amtlichen Papyrusrolle vorgeleimte Blatt mit Angaben über Entstehung, Verfasser und Inhalt der Schriftrolle. Noch heute versteht man darunter ein Zeugnis/Dokument, das schriftlich festhält, was bei einer Sitzung, Versammlung oder Diskussion von wem besprochen und beschlossen wurde. Je nach Anlass, Zweck und Adressatenkreis werden wörtliche oder zusammenfassende Protokolle angefertigt. Letztere geben die wichtigsten Beiträge komprimiert wieder und dokumentieren entweder den Ablauf einer Veranstaltung (Verlaufsprotokolle) oder nur die Ergebnisse und Beschlüsse (Ergebnisprotokolle).
(1) Im Film versteht man unter Filmprotokoll die genaue schriftliche Beschreibung eines Films, die aufgrund der Verleihkopie angefertigt wurde. Sie dient vor allem für analytische Übungen als Transkription des Films, aber auch als Lesefassung.
(2) Protokoll-Funktionen nehmen gewisse Gattungen des Films (wie die Überwachungskamera, Filmaufnahmen während der Personenüberwachung u.ä.) wahr. Insbesondere sei hier die Aufzeichnung nichtverbalen Verhaltens von Personen in Interaktionen und anderen Situationen genannt, die mittels Film erstmals fixiert und zu wiederholter Besichtigung konserviert werden konnten. Hier geht es darum, dass mittels der Film- oder vor allem Videoaufzeichnung eine Aufzeichnungspräzision erreicht werden kann, wie sie der verbalen Beschreibung kaum möglich wäre.
(3) Protokoll-Funktionen lassen sich auch im Textaufbau von Nachrichtenfilmen nachweisen. Auch hier geht es – bei dominierendem Sachbezug des Films – um die Fixierung oder Nachzeichnung dessen, was bei einer Sitzung, Versammlung oder Diskussion oder auch bei umfassenderen Prozessen der Meinungsbildung oder der Aushandlung der Machtverhältnisse als Wichtigstes, als Einschneidendes oder als Ergebnis eine Rolle gespielt hat.

Referenzen:

Filmprotokoll

Protokollfilm


Artikel zuletzt geändert am 10.02.2012


Verfasser: HJW


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