Lexikon der Filmbegriffe

Kinegramm

(1) „Kinegramme“ (oft auch: Kippbilder) enthalten zwei Bilder, von denen der Betrachter abhängig vom Betrachtungswinkel immer nur eins erkennen kann. Ändert sich der Winkel, kann das Bild ruckartig gegen das andere wechseln. Kinegramme sind als lichtbeugende Folien auf den 5-, 10-, und 20-Euro-Noten angebracht und dienen der Sicherung des Geldes gegen Fälschung. Mindestens ebenso häufig finden sich aber Kinegramme, die z.B. an Kugelschreibern angebracht sind und „unter“ dem Bild einer züchtigen Hübschen das Bild einer Bikini- oder gar nackten Schönheit bereithalten.
(2) Als ,,Kinegramme“ bezeichnet Harald Burger Verbalisierungen von nonverbalem Verhalten. Dazu gehören konkrete Beschreibungen physischer Vorgänge wie sitzen, gehen, kratzen oder die Stirn runzeln, aber auch kinetisch unscharfe Bilder wie mit glühendem Blick ansehen und traurig weggehen. Die Kinegrammkunde beschäftigt sich also mit der sprachlichen Repräsentation und Analyse nichtverbaler Kommunikation.
(3) In der Bewegungsanalytik der Sportwissenschaft (die der allgemeinen Kinesik = Bewegungskunde zugehört) wird mit fotografischen Mitteln der Dokumentation gearbeitet. Dabei werden die relevanten Bewegungs-Körperteile von Fotos zu modellhaften Strichzeichnungen des Sich-Bewegenden umgewandelt, so dass Bewegungsabläufe am Modell nachvollzogen und berechnet werden können. Diese Modell-Darstellungen werden „Kinegramme“ genannt.
(4) Gelegentlich trifft man auch „Kinegramm“ als Bezeichnung für das einzelne Filmbild (Kader).

Literatur: Burger, Harald: Die Achseln zucken. Zur sprachlichen Kodierung nicht-sprachlicher Kommunikation. In: Wirkendes Wort 26, 1976, S. 311-334.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: HJW


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