Lexikon der Filmbegriffe

Lomographie

Lomographie ist abgeleitet aus Lomo (auch: L.O.M.O.), was wiederum eine Abkürzung für „Leningradskoje Optiko Mechanitscheskoje Objedinienie“ (= „Leningrader mechanisch-optische Werke“) ist, meist aber als Bezeichnung für eine kompakte Kamera („Lomo Kompakt-Automat“ = LC-A) dient. Sie ist nur jackentaschengroß (10x4x6cm), verfügt über ein nachtsichttaugliches 32mm-Weitwinkelobjektiv der Lichtstärke 2,8, variable Blende und eine Belichtungsautomatik, die auch lange Belichtungszeiten ermöglicht. Die Scharfstellung erfolgt in drei festen Voreinstellungen. Sie wird seit Anfang der 1990er Jahre gebaut, wurde im Westen von Beginn an als anachronistisches Produkt vermarktet und fand als Apparat einer puristischen, auf minimalen technischen Service reduzierten Fotografie ein ästhetisch ambitioniertes Publikum: Die beiden Österreicher Matthias Fiegl und Wolfgang Stranzinger fanden die Kamera auf dem Flohmarkt und riefen die Lomographie ins Leben – fotografiert wird rund um die Uhr, ohne Blitz, am liebsten blindlings aus der Hüfte heraus, in einer großen Menge von Schnappschüssen. Entwickelt wird im minimalistischen Kleinformat 7x10cm. Das Material wird auf großen Bildtafeln präsentiert, die bis zu 1.000 Lomographien zu Tableaus arrangieren.
In den „Lomo-Regeln“ ist das Programm einer automatisierten Alltagsfotografie niedergelegt (mit Regeln wie „Nähere Dich den Objekten Deiner fotografischen Begierde so weit wie möglich!“, „Don‘t think!“ oder „Du musst nicht im Vorhinein wissen, was auf Deinem Film drauf ist!“), die den Stil der Kamera und die ästhetische Qualität des Bildes dem Zufall überlässt. Lomographie bedeutet die Abkehr vom geplanten Bild, das Aufgeben eines Anspruchs auf semiotische, ästhetische oder kommunikative Kontrolle über das Foto oder den Prozess seiner Herstellung.
Die Lomo-Regeln werden gelegentlich auch auf Digitalfotografie übertragen. Erforderlich ist eine billige Digitalkamera mit VGA-Auflösung (die dann – oft schon herstellerseitig – Spycam, Funcam oder Pencam genannt wird).

Literatur: http://www.lomo.de/docs/Links.htm


Artikel zuletzt geändert am 24.01.2012


Verfasser: HJW


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