Lexikon der Filmbegriffe

Peeping Tom

auch: Spanner, Voyeur; im Englischen bedeutet das Verb peep (auch peek; von mittelelengl. pepen) den flüchtigen Blick oder das neugierige Spähen durch ein kleines Loch oder durch einen Spalt; die Bedeutungskomponente der Heimlichkeit oder Unerbetenheit dieses Tuns tritt erst später hinzu

Die Geschichte von der wohl historischen Lady Godiva von Coventry (11. Jahrhundert), die von ihrem Mann Steuerfreiheit für die Stadt erbat, wenn sie dafür nackt – d.h. eigentlich in ihr langes Haar gehüllt und nur die nackten Beine zeigend – auf einem Pferd über den Marktplatz ritte, ist für die Geschichte der Sexualität und deren Verhältnis zu Voyeurismus und Moral von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Seit dem 15. Jahrhundert hat man sich von der Lady erzählt, sie habe darauf bestanden, dass bei ihrem Ritt jedermann sich abzuwenden oder hinter verhüllten Fenstern aufzuhalten habe und dass sie mit dieser Beschränkung die offenbar vorhandenen erotischen Phantasien ihres Gatten habe düpieren wollen. Ab 1659 tritt die Figur des Peeping Tom hinzu, eines Schneiders, der sich nicht an das Verbot hielt und abwendete, weil er die Lady Godiva unbedingt nackt sehen wollte. Doch bei ihrem Anblick wurde er zur Strafe mit Blindheit geschlagen.
Peeping Tom ist im Laufe der Zeit von einem Übernamen im erotischen Mythos zu einem Gattungsnamen geworden und steht heute in erster Linie für einen Voyeur oder Spanner, der andere Menschen heimlich ohne deren Einwilligung und meist mit einem optischen Gerät (wie der Kamera) bewaffnet beobachtet, ausspäht und kontrolliert. War der Peeping Tom des frühen Films noch ein armseliger Tolpatsch vom Uncle Josh-Typ, bei dem die Strafe für sein anzügliches Schlüsselloch-Spähen auf dem Fuße folgte, so ist der junge Voyeur in Michael Powells Film Peeping Tom (Augen der Angst, GB 1959 [1960]), dem wohl berühmtesten Namensträger, ein vatergeschädigter psychopathischer Frauenmörder, der sich bei seinen Opfern als Fotograf ausgibt und sie bei laufender Kamera ersticht, nur um dann mit klinischer Kälte und wissenschaftlicher Objektivität das Entsetzen in ihren Gesichtern aufzeichnen zu können. Weitere Filme: Rorret (Italien 1987, Fulvio Wetzl); Peeping Tom (USA 2002, Jason Todd Ipson).

Literatur: Bronfen, Elisabeth: Bilder, die töten – Tod im Bild. Gedanken zu Michael Powells Peeping Tom. In: Cinema 40, 1994, S. 112-134. – Donoghue, Daniel: Lady Godiva: a literary history of the legend. Oxford: Blackwell 2002. – Marks, Leo: Peeping Tom. London: Faber 1998 (Classic Screenplays.). – Sabaddini, Andrea: Watching voyeurs: Michael Powell‘s Peeping Tom (1960). In: The International Journal of Psychoanalysis 81,4, 2000, S. 809-813.

Referenzen:

Peepshow

Snuff-Filme

Voyeur / Voyeurismus


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: LK


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