Lexikon der Filmbegriffe

Sittenkomödie

on engl. manner = Art und Weise des Betragens, der Umgangsformen; auch: Sittenstück; engl.: comedy of manners; franz.: comédie de mœurs; in etwas erweitertem Sinne auch: Boulevardkomödie, Konversationskomödie, Salonkomödie; boulevard drama, comedy of morals, comedy of wit, domestic comedy, drawing-room comedy

Alter literatur- und theatergeschichtlicher Ausdruck (etwa für Stücke aus der englischen Restaurationszeit, bei Shakespeare, Molière, Sheridan oder auch Oscar Wilde), der ein zwischen Drama und Komödie angesiedeltes Genre meint, in dem der soziale Kontext individuellen Verhaltens von Männern und Frauen zueinander unter dem Einfluss herrschender, weitgehend plakativ akzeptierter sozialer Codes und gesellschaftlicher Verhaltensweisen (‚Sitten‘) in mittleren und höheren sozialen Schichten auf ironische bis satirische Weise anhand exemplarischer Vorfälle und Ereignisse abgehandelt wird. Ähnlich wie die romantic comedy sucht dieser Typ der Komödie ihren Gegenstand mit Eleganz und leichtfüßiger Eloquenz vorzustellen, wie die aggressivere screwball comedy setzt sie auf geschliffenen, balancierten Schlagabtausch voller Ironie und – auch schwarzem – Humor, Zynismus und Sarkasmus. Die Sittenkomödie steht nah an Karikierung und satirischen Überzeichnung charakterlicher Besonderheiten und Unzulänglichkeiten im gesellschaftlichen Umfeld, beim Versuch etwa, soziales Ansehen zu steigern, oder bei der Profilierung im ‚Geschlechterkampf‘.

Beispiele für unterschiedlich realisierte filmische comedies of manner sind der Stummfilm Un Chapeau de Paille d‘Italie (Der Florentiner Hut, Frankreich 1927) von René Clair über einen durch gesellschaftliche Konvention erzwungenen Wiedergutmachungsversuch mit Hindernissen, Blake Edwards Ten aka 10 (Zehn - Die Traumfrau, USA 1979) über eine Midlifecrisis, Ososhiki (Beerdigungszeremonie, Japan 1985, Jûzô Itami) über einen Todesfall und seine Bewältigung als Generationenkonflikt, Claude Chabrols Merci pour le chocolat (Chabrols süsses Gift, Frankreich/Schweiz 2000), der von mörderisch falschem bourgeoisen Familienglück handelt, Gosford Park (Großbritannien/USA/BRD/Italien 2001, Robert Altman), Großversuch eines Vielpersonen-mystery play, und Le Divorce (USA/Frankreich 2003, James Ivory) über die interkulturellen Verwicklungen einer Amerikanerin in der Pariser Gesellschaft.

Literatur: Hirst, David L.: Comedy of manners. London: Methuen 1979 (Critical Idiom. 40.). – Pierson, David P.: A show about nothing: „Seinfeld“ and the modern comedy of manners. In: The Journal of Popular Culture 34,1, 2000, S. 49-64.
 

Referenzen:

comedy of cringe

romantic comedy

screwball comedy


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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