Lexikon der Filmbegriffe

symphonischer Film / Filmsymphonie

häufig auch: sinfonischer Film – Filmsinfonie; von altgriech. symphônía (Abstraktum zu sýmphônos ‚zugleich mit etwas ertönend, zusammenstimmend, harmonisch‘, aus syn- ‚zusammen‘ + phôné ‚Ton, Laut, Stimme, Klang‘): ‘musikalischer Einklang, Harmonie, Übereinstimmung, Konzert’, über lat. symphonia ‘mehrstimmiger musikalischer Vortrag‘ als Beschreibungsterminus in die Musik übernommen.

Die sich verselbständigen Bedeutungsbestandteile ‚Zusammenklang, Wohlklang‘ des Terminus ermöglichen es, auch in nicht eigentlich (bzw. nicht ausschließlich) musikalischen Zusammenhängen von Symphonie zu sprechen und den Ausdruck auf den Bereich des Films zu übertragen, wie es bereits 1927 mit Walter Ruttmanns poetisch-expressivem ‚Dokumentarfilm‘ Berlin, Sinfonie der Großstadt geschehen ist. In ihm wird die Faszination des Lebens der Stadt Berlin und seiner Bewohner von Morgengrauen bis Mitternacht gezeigt, und mit der Titelgebung ist bereits der evozierte Bilder- und Klangrausch angesprochen, die Fülle der Bilder, das Zusammenwirken der kinematographischen Einzelheiten mit der orchestralen Musik zu einem eindrucksvoll stimmigen, schwelgerischen Ganzen mit synästhetischem Charakter. Ähnliches hat fast zeitgleich Alberto Cavalcanti für die Stadt Paris versucht (Rien que les Heures, Frankreich 1926). Auch Arnold Fancks Bergfilme (wie Der heilige Berg, 1926, und Die weiße Hölle von Piz Palü, 1929), in deren Nachfolge auch ein artistischer Sportfilm wie Willy Bogners Skifascination (BRD 1967) gestellt wurde, sind bereits von Zeitgenossen als Symphonien angesprochen worden.
Als wichtige experimentelle Arbeiten zu synästhetischen Symphonien aus Licht, Ton und Bewegung sind die abstrakten Animationsfilme des von Ruttmann geförderten Oskar Fischinger (1900-1967) zu nennen, z.B. das Lichtkonzert Nr. 2 und die bekannte Komposition in Blau, beide von 1935.
Eine symphonische Struktur ganz eigener Art hat der Filmregisseur David Lynch in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Angelo Badalamenti geschaffen, als er 1989 in New York Szenen aus Wild at Heart mit Musik zu einer musical-ähnlichen Live-Performance auf der Bühne vorführte und gleichzeitig einen Videofilm davon anfertigte (Industrial Ballroom No. 1 - The Dream of the Broken Hearted, USA 1990).

Referenzen:

Filmsymphonie

Synästhesie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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