Lexikon der Filmbegriffe

Beaconsfield Film Studios

Die nordwestlich von London gelegenen Beaconsfield Studios wurden 1921 als Studiobauten der George Clark Productions bezogen, die zuvor in Soho gearbeitet hatten. Bis 1924 wurde eine ganze Reihe von Filmen in den Studios realisiert, als die Amerikaner mit Dumping-Preisen fast alle englischen Studios in die Knie zwangen. Erst die Einfuhrbeschränkung, die 1928 in Kraft trat und die eine Vervierfachung der englischen Produktion verursachte, führte zu einer Neubelebung der englischen Filmindustrie. The British Lion Film Corporation Ltd. war eine der Neugründungen, Edgar Wallace ihr Präsident – sie übernahm die Studios. Der erste Tonfilm (The Squeaker) entstand 1930 unter der Regie Wallace‘. In den 1930er Jahren arbeitete fast die ganze Filmelite Englands auch in den Beaconsfield Studios – unter ihnen Margaret Lockwood, Ray Milland, Herbert Wilcox, Val Guest, David Lean (als Cutter), Carol Reed (als Drehbuchautor), John Galsworthy und George Bernard Shaw (als Autoren). 1939 wurde das Studio zu einer Fabrik für Flugzeugteile umfunktioniert. Nach dem Krieg kaufte Alexander Korda British Lion auf, verkaufte die Studios aber an das King's College in Cambridge. Die Crown Film Unit bezog das Gelände, 146.000 englische Pfund standen für Umbau- und Modernisierungsarbeiten zur Verfügung, die Regisseure der Gruppe (unter ihnen John Grierson, Humphrey Jennings und Lotte Reiniger) produzierten für das Central Office of Information bis zu 75 Filme pro Jahr. 1951 wurde die Crown Film Unit aufgelöst. Für kurze Zeit (1953-55) übernahm die National Film Finance Corporation die Studios, die eingesetzt war, um die zusätzlichen Steuereinnahmen für Kinokarten zur Produktionsförderung des britischen Films umzusetzen. Peter Rodgers gründete 1956 Beaconsfield Films Ltd. und produzierte u.a. den überaus erfolgreichen The Tommy Steele Story (1957). Schon ab 1957 vermietete Rodgers das Studio an Firmen wie Screen Gems Inc., die hier ihre Fernsehserie Ivanhoe (mit Roger Moore) drehte. Rodgers verließ Beaconsfield und ging zu Pinewood – und Independent Artists wurde zum Betreiber Beaconsfields. U.a. entstand hier Lindsay Andersons This Sporting Life (1963). Mit dem 1966 gedrehten Press For Time endete aber auch diese Firma. 1967 bis 1971 spielte die lokale Gasgesellschaft mit dem Gedanken, die Studios in ein Warenhaus umzubauen. 1971 kaufte die National Film and Television School (NFTS) die Studios und benutzt sie bis heute.


Artikel zuletzt geändert am 28.07.2011


Verfasser: JH


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