Lexikon der Filmbegriffe

Luftaufnahmen

engl.: aerial cinematography, aerial shot, aerial perspective

Luftaufnahmen werden vom fliegenden Flugzeug aus gemacht. Es liegen eigene Stative und Apparaturen vor, auf denen die Kameras montiert werden können, mit denen die Ruhigstellung der Kameras und das Ausgleichen allzu harter Bewegungen bewirkt werden können. Sie basieren auf einem Westinghouse-Stativ, das 1959 zunächst für militärische Zwecke entwickelt wurde und von Knoxon („Knox“) Leavitt als „Wesscam“ (=Westinghouse Steered Stabilized Camera) vermarktet wurde; 1974 gründete Leavitt Istec Limited (=Isolation Stabilization Technologies). Parallel dazu entwickelte sich seit Mitte der 1960er Jahre Bob Nettmanns Astrovision-System, für das er 1977 einen Oscar zugesprochen bekam – auf ihm basieren viele der folgenden Haltesysteme.
Die Bewegungscharakteristiken der Bilder unterscheiden sich je nachdem, welches Fluggerät benutzt wird (Flugzeug, Helikopter, Zeppelin, Ballon; ein Sonderfall sind Aufnahmen, die während des Fallschirmabsprungs gemacht werden).
Luftaufnahmen werden dann nötig, wenn man ein Geschehen aus großer Weite und Höhe zeigen will, um Distanz herzustellen oder eine intensive Verbindung des Geschehens zum Umgebungsraum herstellen will, aber auch, um ein weites Panorama der Handlung einzufangen. Zwar können oft auch Kräne eingesetzt werden, doch erweitern Luftaufnahmen den Handlungsraum enorm. Erinnert sei an den Anfang von West Side Story (1961), der nahezu das ganze Viertel als räumlich-sozialen Horizont der Geschichte etabliert.
Schon in den 1910er Jahren begann man in Hollywood – wohl auch befördert durch die Popularität der Luftkämpfer des 1. Weltkriegs –, nicht nur Fliegerfilme zu drehen, sondern auch Kameras auf und in Flugzeugen zu montieren und die Bewegung des Fliegens auch kinematographisch zu repräsentieren. Paul Mantz, der die Flugaufnahmen in dem Film Test Pilot (1938) koordinierte, wurde zu einem der ersten Luftaufnahmen-Spezialisten. 1957 wurden die ersten Hubschrauber für Luftaufnahmen eingesetzt.

Literatur: Lange, Heinz-Joachim: Die Verwendung von Luftfahrzeugen zur Herstellung von Luftaufnahmen bei der Produktion von Kino- und Fernsehfilmen unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von Hubschraubern. Dipl.-Arb. [Potsdam: HFF, Fachrichtung Produktion] Jahr 1971. - Luftbildaufnahmen. Themenschwerpunkt. In: Film & TV Kameramann 59,9, 2010, S. 56-83. – McClain, Stan: History of Hollywood's Aerial Cinematography. In: Operating Cameraman, Spring-Summer 1996 [online: http://www.cinematography.com/articles/aerial_history.asp].

Referenzen:

Hubschrauberaufnahmen


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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