Lexikon der Filmbegriffe

mickey mousing

Synchronisierung oder Koordination von Filmmusik mit der im Film gezeigten Handlung, so dass diese unterstrichen bzw. herausgestellt wird. Mickey Mousing wurde und wird gern bei Zeichentrickfilmen angewandt, woher sich auch die Bezeichnung erklärt, die den Mickey-Mouse-Filmen von Walt Disney entlehnt ist. Die Bezeichnung stammt wohl von David O. Selznick, der damit eine Musik von Max Steiner, die sich allzu sehr an die Bewegung der Akteure anlehnte, verulkte. Das Verfahren wird bis heute von vielen Komponisten abgelehnt, weil es allzu schlicht und durchsichtig die Zuordnung von Bild und Ton semantisiert. Gleichwohl gehört der Streichereinsatz in Liebesszenen zu den gebräuchlichen Konventionen, auch wenn die Grenze zum Kitsch leicht überschritten werden kann. In vielen Beispielen gerät die Darstellung in die Nähe der musikalischen Komödie, wenn etwa im Musical der Gang eines Mannes durch einen musikalischen Rhythmus aufgenommen wird. So werden Bewegungen im geometrischen Raum und solche im Klangraum synchronisiert, so dass Treppensteigen z.B. als aufsteigende Tonfolge wiedergegeben wird. Durch Techniken des Mickey-Mousing wird aber auch in die emotionalen Effekte einer Szene eingewirkt, wenn etwa der Zusammenbruch einer Protagonistin in The Big Sleep (1946) durch ein Harfen-Glissando begleitet wird, als sollte die Musik den subjektiven Bewusstseinsverlust verbildlichen. Besonders auffällig ist die wechselseitige rhythmische Mimikry zwischen musikalischer und visueller Bewegung in Musikfilmen, die die Bewegung von Tieren mit – oft klassischer – Musik kombinieren (wie z.B. Jamie Uys‘ bekannter Beautiful People, Südafrika 1970-74).

Literatur: Mannerfeldt, Nils: Mickey mousing – och sedan då? Något om musikens roll i tidiga animerade kortfilmer från Walt Disney Studios. In: Musikologen 1992 (Uppsala: Institutionen för musikvetenskap), S. 23-29.Mera, Miguel: Is funny music funny? Contexts and case studies of film music humor. In: Journal of Popular Music Studies 14,2, 2002, S. 91-113.

Referenzen:

Bauchrednereffekt

Earcon

Filmmusik

Synchronisation


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK JH


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