Lexikon der Filmbegriffe

Zeichen

Etwas ist dann ein Zeichen, wenn es als über sich selbst hinaus auf anderes verweisend verstanden wird. Man kann die Welt nicht einteilen in Zeichen und Nichtzeichen – d.h.: es gibt keine Dinge, die immer Zeichen sind oder die es nie sind. Zeichen zu sein ist eine Funktion von Objekten oder Ereignissen, die sie im Rahmen einer Kommunikationssituation (oder Interpretationssituation) für jemanden im Hinblick auf ein Bezugssystem (z.B. ein Zeichensystem) haben. Für den Rezipienten mag kann etwa ein Klingelzeichen bedeuten, dass die Schulstunde zu Ende ist, oder ein rotes Licht, dass Gefahr droht.'
Insofern Bilder und Filme als komplexe Zeichen gelten, besitzen sie einen Zeichenträger, einen Zeicheninhalt und (unter Umständen) einen Referenten. Der Bild- oder Filmträger ist der physische Gegenstand, dem wir auf Grund seiner internen Struktur einen Inhalt zuschreiben. Der Inhalt umfasst das, was wir im Bild sehen, also die interpretierten repräsentationsrelevanten Eigenschaften. Der Referent ist dasjenige, auf das wir mit dem Bild verweisen. Ein Bild muss keinen Referent besitzen. Sofern es einen besitzt, liefert der Inhalt in der Regel Kriterien zu seiner Bestimmung.
Zeichen besitzen eine kommunikative Funktion, insofern der Rezipient unterstellen muss, dass das Zeichen mit der Intention präsentiert wurde, einen entsprechenden Inhalt zu vermitteln. Hierbei können Sender und Empfänger (bzw. Produktion und Rezeption des Zeichens) durchaus in ein und derselben Personen zusammenfallen. Einen (materiellen und in der Regel relativ dauerhaften) Gegenstand als Zeichen aufzufassen heißt daher in minimaler Fassung, ihm einen Inhalt zuzuschreiben, der innerhalb einer kommunikativen Handlung als Basis einer sachlichen, expressiven oder auch appellativen Mitteilung dienen kann.

Literatur: Eco, Umberto: Einführung in die Semiotik. München: Fink 1968; 7. Aufl. 1991. – Eco, Umberto: Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. Frankfurt: Suhrkamp 1973; repr. 1977. – Keller, Rudi: Zeichentheorie. Zu einer Theorie semiotischen Wissens. Tübingen/Basel: Francke 1995. – Morris, Charles W.: Grundlagen der Zeichentheorie, in: Grundlagen der Zeichentheorie. Ästhetik und Zeichentheorie. A. d. Amer. v. Roland Posner. Frankfurt: Fischer 1988, S. 15-88. – Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl., Stuttgart/Weimar: Metzler 2000.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KSH


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