Lexikon der Filmbegriffe

Industriefilm

auch: Informationsfilm; Wirtschaftsfilm

Ein Industriefilm ist ein von einem Wirtschaftsunternehmen in Auftrag gegebener oder hergestellter Film, der etwas über dieses Unternehmen, dessen Tätigkeit und Produkte aussagt. Die verschiedenen Typen des Industriefilms fügen sich in die kommunikativen Rahmen ein, die sich aus den Interessen des Betriebes ergeben: Der Repräsentationsfilm gibt einen umfassenden Überblick über das Werk und erspart oder intensiviert Werksbesichtigungen, kann aber auch bei Generalversammlungen die Entwicklung und den Stand der Produktion zusammenfassen. Der Vertreterfilm zeigt dem potentiellen Kunden die Wirkungs- und Arbeitsweise von Produkten in Bild und Ton. Lehr- und Ausbildungsfilme dienen der Ausbildung mit Mitarbeitern des Betriebes und des Bedienungspersonals, informieren vor allem aber über den Umgang mit Unfällen und über Arbeitssicherheit. Messe- und Ausstellungsfilme zeigen dem Messebesucher Details der Produkte und ihrer Arbeit. Neuerdings ist das Internet eines der wichtigsten Medien geworden, mittels derer Industriefilme verbreitet werden. Gleichzeitig werden die Grenzen zum Werbefilm noch durchlässiger.
Weltweit werden pro Jahr annähernd 10.000 Industriefilme produziert (BRD: 400-500 Filme). In der Mehrzahl werden sie von Wirtschaftsunternehmen und -verbänden in Auftrag gegeben (mehr als 75%) und zumeist von Produktionsfirmen realisiert, die auf Industriefilmproduktion spezialisiert sind. Industriefilme werden seit der Stummfilmzeit hergestellt und eingesetzt. Eine erste Bestandsaufnahme fand in der BRD in den 1950er Jahren statt; das damalige Deutsche Industrieinstitut (heute: Institut der deutschen Wirtschaft) stellte eine Filmografie von 1.967 Filmen zusammen. Seit 1959 erscheint das jährliche Bulletin „Der deutsche Industriefilm“. Die 1962 gegründete Deutsche Industriefilm-Zentrale (Köln) ist ein eigener spezialisierter Verleih. 1968 stiftete der deutsche Wirtschaftsminister den Deutschen Industriefilmpreis (seit 1980: Deutscher Wirtschaftsfilmpreis), der jährlich in Ludwigsburg verliehen wird. Österreich hat das alle zwei Jahre veranstaltete Festival „Deutschsprachige Wirtschaftsfilmtage“.

Literatur: http://dizdeutscheindustriefilmzentrale.visualnet.com/. – Brepohl, Klaus: Der deutsche Industriefilm - eine Analyse. Köln: Deutsches Industrieinstitut 1966. Repr. 1970. – Rasch, Manfred (Hrsg.): Industriefilm. Medium und Quelle: Beispiele aus der Eisen- und Stahlindustrie. Essen: Klartext Vlg. 1997. – Schaller, Hans: Der Industriefilm schrieb Geschichte. 1895-1995. Hundert Jahre Industrie- und Wirtschaftsfilm. Dortmund: PR Trend Agentur 1997.

Referenzen:

British Transport Films (BTF)

Deutsche Industriefilm-Zentrale (DIZ)

Expo-Film

National Coal Board Film Unit (NCB Film Unit)

Repräsentationsfilm

Shell Film Unit

Unternehmensfilm


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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