Lexikon der Filmbegriffe

Zeichentheorie

Zeichentheorie oder Semiotik ist die Lehre von den Zeichenprozessen. Peirce und Saussure werden allgemein als die überragenden Gründungsfiguren zweier Richtungen der Semiotik betrachtet, der pragmatischen und der strukturalistischen Tradition. Hierbei ist das Modell von Peirce durch die Betonung des Referenzobjektes triadisch, das von Saussure durch die Beschränkung auf Signifikant (Zeichenträger) und Signifikat (Bedeutung) dyadisch. Louis Hjelmslev, Charles W. Morris, Roman Jakobson, Roland Barthes, Algirdas Julien Greimas und Umberto Eco zählen zu den bedeutendsten Vertretern der Zeichentheorie im 20. Jahrhundert.
Grundlegend und von großer Bedeutung für viele weitere Disziplinen ist die Unterscheidung in Syntax, Semantik und Pragmatik. Gegenstand der Syntax sind die Beziehungen zwischen den einzelnen Zeichen und Zeichenelementen. (1) Die Syntax kann entweder als die Untersuchung der formalen Eigenschaften verstanden werden, die Zeichen unabhängig von ihrer Bedeutung und ihrer Verwendung besitzen. Spezifischer kann auch die Untersuchung der Beziehungen gemeint sein, die innerhalb komplexer Zeichen sowie zwischen den verschiedenen Zeichen eines Zeichensystems bestehen. Schließlich gilt als Syntax auch die Untersuchung des Regelsystems (z.B. der Grammatik), nach dem elementare Zeichen zu größeren Einheiten kombiniert werden. (2) Gegenstand der Semantik ist das Verhältnis zwischen den Zeichen und ihren Anwendungsbereichen. Die semantische Grundfunktion besteht in der Klassifikation, mit der eine Klasse von Gegenständen als Anwendungsbereich eines Ausdrucks zusammengefasst wird. Traditionell kommt damit der Begriff der Bedeutung ins Spiel. (3) Gegenstand der Pragmatik sind schließlich die Beziehungen zwischen Zeichen und Zeichenverwender. Hierbei wird kontrovers diskutiert, welche speziellen Aufgaben der Pragmatik zukommen und wie das Verhältnis von Pragmatik und Semantik beschaffen ist. Je enger der Zusammenhang von Bedeutung und Gebrauch gesehen wird, desto mehr übernimmt die Pragmatik traditionell semantische Fragen.
Eine eigenständige Filmsemiotik wurde in den 1960er Jahren vorgeschlagen. Christian Metz sprach sich für eine dominant syntagmatische Beschreibung der filmischen Signifikation aus; Pier Paolo Pasolini nahm die filmische Struktur als Abbildung von Strukturen der Realität selbst; Umberto Eco befürwortete eine Reduktion der filmischen Signifikanten auf ähnliche bedeutungsfreie Zeichenelemente, wie man sie auch in der linguistischen Struktur findet. Andere Autoren (wie Peter Wollen oder Karl-Dietmar Möller) sprachen sich für eine Kontexttheorie der filmischen Signifikation aus. Heute dominieren komplexe pragmatische Ansätze.

Literatur: Keller, Rudi: Zeichentheorie. Zu einer Theorie semiotischen Wissens. Tübingen/Basel: Francke 1995. – Nöth, Winfried: Handbuch der Semiotik. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl. Stuttgart/Weimar: Metzler 2000. – Posner, Roland / Robering, Klaus / Sebeok, Thomas S.(Hrsg.): Semiotik / Semiotics. Ein Handbuch zu den zeichentheoretischen Grundlagen von Natur und Kultur [...]. 1-4. Berlin/New York: de Gruyter 1997-2004. – Sottong, Hermann / Müller, Michael: Zwischen Sender und Empfänger. Eine Einführung in die Semiotik der Kommunikationsgesellschaft. Bielefeld: Erich Schmidt Verlag 1998. – Trabant, Jürgen: Elemente der Semiotik. Tübingen/Basel. Francke 1996.

Referenzen:

Symbolsystem: Goodman

Semiosphäre

Stoff


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: KSH


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