Lexikon der Filmbegriffe

change blindness

In der visuellen Wahrnehmungspsychologie bezeichnen die beiden sachlich miteinander verknüpften Konzepte change blindness / inattentional blindness Leistungseinschränkungen des menschlichen visuellen Systems, die durch Störungen, Ablenkungen oder Fehlen der Aufmerksamkeit hervorgerufen werden.
Change blindness (dt. soviel wie ‚Blindheit für Objektveränderung, Wandelblindheit‘) ist die unter gewissen Störbedingungen eintretende natürliche Unfähigkeit des menschlichen visuellen Wahrnehmungssystems, im Blickfeld objektiv vorhandene, auch größere und bedeutende Veränderungen in einer dargebotenen Szene zu erkennen. Solche Bedingungen können die Sakkadenbewegungen der Augen sein, regelmäßig auftretende Phänomene wie Blinzeln oder, beim Filmbild, Flackern und Flimmern, aber auch Eingriffe ins Filmmaterial, die durch den Filmschnitt entstehen. Im Zeichentrickfilm und bei Stunts in Spielfilmen macht man sich diese Art der Blindheit zunutze, indem Veränderungen in der Szene durch visuelle Störungen wie Schmutzpartikel oder Objektverdeckungen maskiert werden. Das Erkennen der Störsignale schließt das automatische System lahm, das die Aufmerksamkeit koordiniert und fixiert. Andere Mechanismen des visuellen Systems müssen nun die einzelnen Objekte in der Szene absuchen, bevor die Aufmerksamkeit wieder das – nunmehr veränderte – Objekt fokussieren kann. Durch entsprechendes Training lässt sich die Aufmerksamkeit für derartige Störungen erhöhen, so dass dann auch bis zu einem gewissen Grad Veränderungen und Übergänge als solche erkannt werden können. Aus dem Vorkommen von change blindness lässt sich der Schluss ziehen, dass wir weniger in unserer visuellen Umwelt bewusst wahrnehmen als wir denken. 

Literatur: O’Regan, J. Kevin: Thoughts on change blindness. In: Jenkins, Michael / Harris, Laurence (eds.): Vision and attention. New York: Springer 2001, S. 281-302. – Simons, Daniel J. (ed.): Change blindness and visual memory. In: Visual Cognition 7,1-3, 2000 [Themenheft].
 

Referenzen:

inattentional blindness


Artikel zuletzt geändert am 17.01.2012


Verfasser: LK


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