Lexikon der Filmbegriffe

Warnography

Meist abschätzig gebrauchtes Kofferwort aus engl. war, no! und pornography, das im Rahmen einer scharfen Kritik an einer neo-militaristischen Tendenz im amerikanischen Mainstream-Kino gebildet wurde. Es bezeichnet Filme, die den Krieg glorifizieren und denen oft unterstellt wird, sie stimulierten die Aggressivität der Zuschauer. Ein oft genanntes Beispiel ist die Rambo-Reihe. Der Ausdruck wurde erfunden für Top Gun (1986), der wie ein gewaltiger Werbefilm für das „modisch gemachte Militär und für die Militarisierung der Mode“ (Seeßlen) wirkte. Der Film ist auch ein Beispiel dafür, dass militärischer Misserfolg als sexuelle Beschädigung wahrgenommen wird, die allein durch exzessiven Einsatz in kriegerischen Tötungshandlungen repariert oder ersetzt werden kann. Darin erinnert warnography an die Erlebensmuster, die Klaus Theweleit in seinem Buch „Männerphantasien“ als Typen nazistischer Geschlechtsbegegnung beschrieben hatte. Zu den Charakteristiken der warnography gehört auch die öffentliche Funktionalisierung von Filmen zu Zwecken einer militaristischen Öffentlichkeitsarbeit. Beispiele finden sich in der neueren amerikanischen Produktion: Der in Somalia spielende Black Hawk Down (2001, Ridley Scott) ist der erste Film, bei dem – auf Donald Rumsfelds persönliche Intervention hin – US-Truppen in ein fremdes Land geschafft wurden, um bei der Produktion eines (offensichtlich der Propaganda dienenden) Films mitzuwirken. Ähnlich wurden auch der Antiterror-Film The Sum of All Fears (2002) und die Vietnam-Geschichte We Were Soldiers (2002) – der ein eigenes Preview im Weißen Haus in Anwesenheit von George Bush hatte – als regierungskonforme Propaganda für das internationale militärische Auftreten der USA ausgewiesen.


Artikel zuletzt geändert am 18.07.2011


Verfasser: HJW


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