Lexikon der Filmbegriffe

Aleatorischer Film / aleatorische Technik

von lat. alea „Würfel“; „Zufall“; engl.: aleatory film; aleatory technique

Das Adjektiv aleatorisch kennzeichnet Entscheidungen und Geschehensverläufe, die nur vom Zufall oder den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitstheorie abhängig sind und einem unbeteiligten Betrachter wie planlos erscheinen. Aleatorik heißt in der Musik ein kompositionstechnisches Verfahren, bei dem die Noten nur einen groben Anhalt für die Ausführung geben, die daher wie gelenkt zufällig wirkt. Gerade Verfahren der seriellen Musik sind im Experimentalfilm mehrfach genutzt worden – von Störungen der Aufnahme bis zur Zufälligkeit der Reihung der Bilder, von der Tonmontage bis zur ungesteuerten Bildüberlagerung bei Mehrfachprojektionen (explizit in den Filmen Kurt Krens).


Insbesondere Dokumentarfilmer (wie etwa Frederick Wiseman) haben sich bei Film- und Tonaufnahmen aleatorischer Techniken konzeptuell bedient, um den Eindruck von Realität, Echtheit, Authentizität und Improvisation zu erhöhen. Bei Spielfilmen kann ein derartiges Vorgehen den – nicht immer korrekten – Eindruck erwecken, als sei ohne Drehbuch gearbeitet worden (wie manchmal auf Robert Altmans Vielpersonenfilm A Wedding, 1978, oder auf Filme wie John Cassavetes‘ wie improvisiert wirkenden Husbands, 1970, hingewiesen wird). Mit eigenartigen Formen „dokumentarischer Fiktion“ auf der Grundlage von aleatorischen Zitations-Montagen experimentierten seit den späten 1960er Jahren Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, in deren Filmen musikalische Kompositionsformen ohnehin eine große Rolle spielen.



Literatur: Brady, Martin: 'Du Tag, wann wirst du sein...': quotation, emancipation and dissonance in Straub/Huillet's Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter. In: German Life and Letters 53,3, 2000, S. 281-302.
 

Referenzen:

Collagefilm

cut-up

Montage


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


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