Lexikon der Filmbegriffe

Banned in Boston

von engl. ban „verbieten, auf den Index (verbotener Werke) setzen“

Die im amerikanischen Englisch zu einem geflügelten Wort gewordene Phrase „Banned in Boston“ stammt von der Tätigkeit der vom Neuengland-Protestantismus maßgeblich beeinflussten New England Society for the Suppression of Vice, einer Art Bürgerwehr für Zensur, die in New York nach den Ansichten Anthony Comstocks (1844-1915) und seiner reichen Gönner 1878 gegründet wurde, und deren Bostoner Ableger sich 1891 treffend in The Watch and Ward Society umbenannte. Comstock, aus kleinen Verhältnissen stammend, war ein gefürchteter selbsternannter moralischer Zensor und Politiker, dem der zynische George Bernard Shaw mit der Prägung „comstockery“ zu lexikalischem Nachleben verholfen hat. Sein Verein von Sittenwächtern arbeitete mit den lokalen Behörden (so mit dem U.S. Post Office) zusammen, überwachte die Inhalte von Büchern und Theaterstücken und sorgte dafür, dass inkriminierte Bücher im Wortsinn aus dem Verkehr gezogen, d.h. postalisch nicht befördert wurden. Dabei war man mit dem Vorwurf der Unmoral, Unanständigkeit, Sittenlosigkeit, Obszönität, Pornografie oder Blasphemie schnell zur Hand, hatte bei der Vernichtung der indizierten Bücher jedoch offenbar immer auch handfeste ökonomische Absichten. Manche Werke bekannter Schriftsteller (Mark Twain mit seinem Huckleberry Finn, später z.B. Sherwood Anderson und Hemingway) fielen dem Verdikt der Gesellschaft zum Opfer und galten in den Staaten als „Banned in Boston“.
Der Ausdruck wird in den englischsprachigen Printmedien auch heute noch gern als catchphrase verwendet, um auf Zensurbeschlüsse bzw. Indizierungsbestrebungen aufmerksam zu machen. Betroffen sein können nicht nur Bücher und Theaterstücke, sondern allgemein alle Produktionen der Populärkultur, wobei bemängelte populäre Musiktexte und eben auch Filme eine vorrangige Rolle einnehmen. Zu bekannten Filmen, die das Prädikat „Banned in Boston“ auf sich zogen, gehörten z.B. The Birth of a Nation (USA 1915, David Wark Griffith) und Caligola (aka: Caligula, USA/Italien 1979, Tinto Brass, produziert von Bob Guccione, dem Herausgeber des Männermagazins Penthouse).

Literatur: Boyer, Paul S.: Purity in print: book censorship in America from the Gilded Age to the Computer Age. 2nd ed. Madison, Wisc.: University of Wisconsin Press 2002. – Reardon, William R.: Banned in Boston: a study of theatrical censorship in Boston from 1630 to 1950. Diss. Stanford University 1952. – Kemeny, P.C.: Banned in Boston: commercial culture and the politics of moral reform in Boston during the 1920s. In: Giggie, John M. / Winston, Diane (eds.): Faith in the market: religion and the rise of urban commercial culture. New Brunswick, N.J.: Rutgers University Press 2002, S. 133-154.

Referenzen:

Index

Verbot

Zensur


Artikel zuletzt geändert am 13.01.2012


Verfasser: LK


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