Lexikon der Filmbegriffe

Drehbühne

engl.: revolving stage

Eine Drehbühne ist eine kreisförmige, drehbare Spielfläche, die meist in den Bühnenboden eingelassen ist, manchmal aber auch auf diesem aufliegt. Sie wurde 1490 erstmals von Leonardo da Vinci in Mailand angewendet, findet sich im japanischen Kabuki-Theater seit den 1650er Jahren. Wirkliche Verbreitung fand sie erst nach den Arbeiten Karl Lautenschlägers in München (seit 1896) und den Inszenierungen Max Reinhardts in Berlin (nach 1904): Beide verwendeten sie als Segment-Bühne, die einen sehr schnellen Szenenwechsel ermöglichte, weil die Umbauten im jeweils unsichtbaren Teil der Rundbühne vorgenommen werden konnten. (Darum werden auch die Mitarbeiter/innen, die am Drehort den Auf-, Um- und Abbau der Dekorationen vornehmen, bis heute manchmal „Drehbühne“ genannt.) Erst wenn der Sektor der Bühne, in dem das Spiel fortgesetzt wird, in den Bühnenrahmen gedreht wird, wird das Bühnenbild dieses Sektors dem Publikum sichtbar.
Im Film besteht das Problem eines beschleunigten Kulissenumbaus nicht. Dennoch kommt das Prinzip der Drehbühne gelegentlich zur Anwendung, um nicht nur Szenen hart nebeneinander zu stellen und den Bruch zwischen ihnen zu betonen, die die Heterogenität der Wirklichkeit akzentuieren (wie schon in Oswalds 1914Die letzten Tage vor dem Weltkrieg, 1930), sondern auch die Vielfalt der Fiktionen beim Gang durch die Studios als komisches Wechselbad der Hintergrund-Szenen zu inszenieren (wie in Hellzapoppin von H.C. Potter, 1941). In allen diesen Fällen wird das Prinzip des „Szenenbildes“ als eines Ausschnittes der Erzähl-Realität betont, die sich nicht zu einer Ganzheit zusammenfügen mag; die Szene wird als Element der Inszenierung und nicht der vorgefundenen Wirklichkeit ausgestellt, so dass eine starke analytisch-ästhetische Distanz zwischen Inszenierung und Diegese einzieht. 
 

Referenzen:

gimbal Stage / gimbal Platform


Artikel zuletzt geändert am 17.01.2012


Verfasser: HJW


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