Lexikon der Filmbegriffe

good-bad girl

Terminus, der zum ersten Mal 1950 von Martha Wolfenstein und Nathan Leites in dem Buch Movies: A Psychologcal Study gebraucht wurde und der sich, da er sich vorzüglich zur Beschreibung von Frauenrollen im Film Noir eignete, schnell einbürgerte. Das Buch von Wolfenstein und Leites ist stark einer soziologisch-anthropologischen und psychologischen amerikanischen Kulturkritik der 1930er und 1940er Jahre verpflichtet (Margaret Mead, Geoffrey Gorer und David Riesman werden in der Widmung zitiert). Die Studie basiert auf amerikanischen Filmen aus der Zeit von 1945 bis 1949. „The good-bad girl“ ist eine 20seitige Unterabteilung des ersten Kapitels „Lovers and Loved Ones“. Die Heldinnen von Gilda (1946) und The Big Sleep (1946) dienen den Autoren als einführende Beispiele eines Frauentyps, den sie als ein typisch amerikanisches Produkt bezeichnen und gegen das europäische Kino abgrenzen (z.B. gegen die Figur des Vamps, der sich ja auch im Film Noir findet). Figuren, die böse erscheinen, aber im Grunde gut sind, scheinen den Autoren typisch für den amerikanischen Film zu sein, der „pervaded by false appearances“ ist. Die dunkle Seite der Figur repräsentiert unsere geheimen Wünsche. Dass die verrucht, böse und promiskös erscheinende Frau in Wirklichkeit „a melodramatic reflection of the American popular girl“ ist, gibt dem amerikanischen Mann, sei er Filmheld oder Zuschauer, die Möglichkeit des „wish-fulfilment without empatic guilt“.

Literatur: Wolfenstein, Martha / Leites, Nathan: Movies: A Psychological Study. Glencoe, Ill.: Free Press 1950. – Kaplan, E. Ann (ed.): Women in Film Noir. London: The British Film Institute 1978. – Krutnik, Frank: In a Lonely Street. Film Noir, Genre, Masculinity. London: Routledge 1991.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JPB


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