Lexikon der Filmbegriffe

Hosenrolle

engl.: cross-dressing role; manchmal auch: gender-bending role

Im Theater bzw. auf der Opernbühne bezeichnet die Hosenrolle die Darstellung einer männlichen Figur durch eine Schauspielerin; bis ins 17. Jahrhundert wurden umgekehrt auch Frauenrollen von Männern bzw. Kastraten gespielt. Meistens handelte es sich um komische Verdrehungen der Geschlechter. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts, z.B. in Mozarts „Idomeneo“ (1781) und „Figaros Hochzeit“, später dann in „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss, wurde die Hosenrolle auch aus stimmtechnischen Gründen an weibliche Sänger (in der Mezzosopran-Stimmlage) vergeben, die Hosenrolle hatte hier weniger mit Transvestie als mit Musik zu tun.
Im Film tauchen Hosenrollen relativ früh sowohl in Filmkomödien als auch in Dramen auf. Hurrah Einquartierung (1913) bzw. Fräulein Piccolo (1914) von Franz Hofer und Ich möchte kein Mann sein (1919) von Ernst Lubitsch zeigen Frauen in Männerkleidung, wobei der männliche Held sich jeweils in die Frau als Mann verliebt. In Hamlet (1921) spielt Asta Nielsen die Titelrolle, wobei sie dem Beispiel von Sarah Bernhardt auf der Bühne folgt, d.h. im Film wird das wahre Geschlecht der Schauspielerin niemals preisgegeben. Auch Elisabeth Bergner, die ebenfalls androgen wirken konnte, probt in Der Geiger von Florenz (1926) zeitweilig eine Hosenrolle. Im frühen deutschen Tonfilm taucht Dolly Haas wiederholt in Hosenrollen auf, so in Liebeskommando (1931), wo sie den Militärdienst des Bruders absolviert, oder in Der Page vom Dalmasse Hotel (1932). Renate Müller brillierte in Viktor und Viktoria (1933) als ein Mann, der eine Frau spielt. Diesen Beispielen folgend, trägt Marlene Dietrich in Blonde Venus (1932) einen weißen Frack.
Während die zeitgenössische Filmrezeption diese Filme mit einem heterosexuellen Blick betrachtete, d.h. die Zuschauer sehen die Frau im Männerkleider als erotisches Objekt und Fetisch, werden diese Filme in der historischen von einer schwulen und feministischen Filmtheorie bedingten Rezeption zunehmend als Vorläufer eines „gay cinema“ bzw. Eines feministischen Kinos rezipiert.

Literatur: Dickens, Homer: What a drag: Men as women and women as men in the movies. New York: Quill 1984. – Thomas Koebner: In der Haut der anderen. Männer als Frauen – Frauen als Männer. In: Unter die Haut. Signaturen des Selbst im Kino der Körper. Hrsg. v. Jürgen Felix.. St. Augustin: Gardez! Vlg. 1998, S. 179-192. – Warth, Eva Maria: Crossdressing im Film. In: Geschlechterdifferenz und Amerikastudien in Deutschland. Hrsg. v. Anne Koenen u. Catrin Gersdorf. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 1998, S. 125-134.

Referenzen:

Dykesploitation


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: JCH


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