Lexikon der Filmbegriffe

spin doctor

Von engl. spin = Drall, Dreh abgeleitete Bezeichnung für einen PR-Mitarbeiter, der eine Kampagne so beeinflussen kann, dass Medien und öffentliche Meinung gesteuert werden. In den amerikanischen Wahlkampf-Kampagnen hat sich z.B. das gezielte Durchsickern-Lassen von vertraulichen oder geheimen Informationen als effektive Strategie gezeigt. Mit dem „Präventiv-Schlag“ werden sorgfältig recherchierte Enthüllungsgeschichten entkräftet, mit großen Mengen von Informationen und Dokumenten lassen sich Halbwahrheiten und unangenehme Details abschirmen. Das spin doctoring gehört zu den Strategien des news management – die Anpassung politischer Themen und Nachrichten an die Medienformate und an die Prozesse, in denen Themen gefunden und geschärft werden.
Als Rollenfigur ist der spin doctor mehrfach gezeichnet worden. Meist ist der amerikanische Wahlkampf der Hintergrund, vor dem die Arbeit der Presse-Leute als Versuch, Presselenkung zu erzeugen, erscheint. Beispiele sind The Best Man (1963), bei dem der Gegenkandidat diffamiert wird, oder aus jüngerer Zeit Wag the Dog (1997), bei dem ein Krieg als Pressemaßnahme inszeniert wird. Dokumentarfilme wie The War Room (1992) von D.A. Pennebaker und Chris Hegedus berichten von der Arbeit der Pressesprecher unter Wahlkampfbedingungen.

Literatur: Greenberg, David: Nixon's shadow: the history of an image. New York: W.W. Norton 2003. – Kurtz, Howard: Spin cycle. Inside the Clinton propaganda machine. New York: Free Press 1998. – Mihr, Christian: Wer spinnt denn da? Spin Doctoring in den USA und in Deutschland: Eine vergleichende Studie zur Auslagerung politischer PR. Münster [...]: LIT 2003. – Partington, Alan: The linguistics of political argument: the spin-doctor and the wolf-pack at the White House. New York: Routledge 2003.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: JH


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