Lexikon der Filmbegriffe

black comedy

dt.: schwarze Komödie

Das Adjektiv black „schwarz“ steht hier mit der Bedeutungsfärbung „düster, unheilvoll, depressiv“ und spielt auf einen Gemütszustand an, dessen Charakterisierung auf die Bewertung der schwarzen Galle in der antiken Säftelehre zurückgeht. Offenbar um zu vermeiden, dass black im Amerikanischen im Sinne von African American missverstanden werden könnte, bevorzugen einige Autoren den Ausdruck dark comedy.
Die schwarze Komödie als Komödientyp – im Englischen bereits auf einige Stücke Shakespeares angewandt – zeichnet sich durch einen manchmal sarkastischen, absurden und morbiden „schwarzen“ Humor aus, der sich (1) auf ernste oder tabuisierte Themen wie Krankheit, Behinderung, Tod, Krieg, Verbrechen oder (2) auf für sakrosankt gehaltene Dinge richtet und dabei auch vor politischen Unkorrektheiten, derben Späßen, sexuellen und skatologischen Anzüglichkeiten nicht zurückschreckt. Hinter der Fassade zynischer Grenzüberschreitungen steht i.d.R. ein aufrichtiges Anliegen, falsche Hierarchien, Konventionen und Verlogenheiten innerhalb einer Gesellschaft mit den Mitteln filmischer Satire zu entlarven.
Als eines der treffendsten Beispiel für eine filmische black comedy mit zahlreichen Elementen des Slapsticks und voller Galgenhumor darf wohl Robert Altmans M*A*S*H (USA 1970) gelten, eine unter dem Eindruck des Vietnamkriegs entstandene bitterböse, bluttriefende Satire auf den Krieg, in der während des Koreakriegs die rekrutierten Ärzte eines Feldlazaretts versuchen, mit verschiedenen zynischen Strategien Reste von Selbstbehauptung und persönlicher Freiheit zu wahren. Ähnlich auch die beinahe zeitgleich entstandene Satire auf militärische Bürokratie in Mike Nichols’ Catch-22 (USA 1970, nach dem Roman von Joseph Heller), in der während des 2. Weltkriegs der Protagonist versucht, sich als Geistesgestörter auszugeben, um so dem Dienst an der Waffe zu entkommen. Pulp Fiction (USA 1994, Quentin Tarantino) kann ebenso als eine postmoderne black comedy angesprochen werden wie Lars von Triers Experiment in Selbstreferenzialität, Idioterne (Dänemark 1998).

Literatur: Davidson, John E.: Crime and the cynical solution: black comedy, critique, and the spirit of self-concern in recent German film. In: Halle, Randall / McCarthy, Margaret (eds.): Light motives: German popular film in perspective. Detroit, MN: Wayne State University Press 2003, S. 259-280. – Gehring, Wes D.: American dark comedy: beyond satire. Westport, Conn.: Greenwood Press 1996.

Referenzen:

Farce I: Geschichte

Farce II: Tiefenideologie

Satire


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: LK


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