Lexikon der Filmbegriffe

Zirkusfilm

Nachdem bereits ab 1895 einzelne artistische Darbietungen kinematographisch reproduziert wurden, beginnen die eigentlichen Zirkusfilme ab den frühen 1910er Jahren die sujetspezifischen Schauwerte in Spielhandlungen einzubinden. Gegenüber dem gewöhnlichen Zirkus wird das Kinopublikum von den Zirkusfilmen durch die Art und Weise der Informationsvergabe systematisch privilegiert, insbesondere dadurch, dass es einen Einblick in das Privatleben der Artisten erhält, wie ihn der Besuch einer Zirkusvorstellung nicht gewähren kann. Neben der zahlenmäßig stärksten Gruppe, die vornehmlich auf die milieueigenen Schauwerte (exotisches Ambiente, gefährliche Nummern, knapp sitzende Kostüme) setzt wie beispielsweise Trapeze (1956, Carol Reed) und The Greatest Show on Earth (1951, Cecil B. de Mille), gibt es eine sehr viel kleinere Anzahl von Filmen, in denen der Zirkus der Reflexion ästhetischer, psychologischer, kosmologischer oder medienpolitischer Probleme als Modell dient. Zu ihnen rechnen Variete (1925, Ewald André Dupont), Circus (1928, Charles Chaplin), He Who Gets Slapped (1924, Victor Sjöström), Freaks (1932, Tod Browning), Gycklarnas Afton (1953, Ingmar Bergman), Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos (1967/68, Alexander Kluge) oder I Clowns (1970, Federico Fellini) sowie Filme, die das Leben von Schaustellern als existentielle Randlage auszuhorchen versuchen (wie La Strada, 1954, Federico Fellini, oder auch All the Marbles, 1980, Robert Aldrich). Nach einer langen Phase anhaltend hoher Popularität kommt die Produktion von Zirkusfilmen für das Kino ab Ende der 1950er Jahre weitgehend zum Erliegen. Eine Ausnahme bilden Kinderfilme und Fernsehproduktionen.

Literatur: Adrian, Paul. Cirque au Cinéma, Cinéma au Cirque. Paris: Ed. Paul Adrian 1984 (Encyclopédie du Cirque.). – Stoddart, Helen: Rings of Desire. Circus history and representation. Manchester/New York: Manchester University Press 2000. – Arpa, Angelo / Liinama, Outi: Cinema e circo in Italia. A cura del gruppo di studio del C.E.C.S. Roma: Comitato Ecumenico per le Comunicazioni Sociali 1992.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: MC


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