Lexikon der Filmbegriffe

Bureka-Film

auch: Boureka-Film; engl.: boureka film, boureka cinema
von arab. Boureka = Bezeichnung einer Teigware, die sephardische Juden herstellen

Das oft satirische, bis zum Albernen überzogene Bureka-Kino parodiert die Kontraste und Konflikte zwischen (orientalisch orientierten) sephardischen und (westeuropäisch orientierten) ashkenasischen Juden. Die Geschichten sind meist konzentriert auf einen arabisch-jüdischen Helden, der ebenso naiv wie gerissen den modernistisch-westlichen Lebensweisen der Jüngeren wie den bürokratischen Exzessen der israelischen Gegenwarts-Gesellschaft zu begegnen versucht. Gelegentlich werden auch melodramatische Erzählmuster verwendet – aber auch dann wird das Happy-End eingehalten.
Das Genre entstand in den 1960er Jahren nach der Konsolidierung des israelischen Staatswesens und trat neben die bis dahin vorherrschenden heroischen Filme über das Leben in Israel, den Kampf um das Land etc. Im Bureka-Kino traten die orientalischen Juden ins Zentrum des Interesses (in Filmen wie Sallah, 1964, Ephraim Kishon, oder Fortuna, 1966, Menachem Golan) und formulierten in kommerziell sehr erfolgreichen Filmen erstmals Interessen auf Anerkennung ihrer kulturellen Traditionen. Einen Höhepunkt bildete Ani ohev otach Rosa (I Love You Rosa, 1972, Moshe Mizrahi), der eine ausgangs des 19. Jahrhunderts in Jerusalem spielende Geschichte um ein nur aus der sephardischen Kultur verstehbares Heiratsversprechen erzählt.
Der Dokumentarfilm Forget Baghdad: Jews and Arabs – The Iraqi Connection (BRD/Schweiz 2002, Samir) thematisiert erstmals explizit die innere Auseinandersetzung um die kulturellen Rechte der Sepharden und Mizrahim in Israel, die einer jahrzehntelangen Diskriminierung ausgesetzt waren.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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