Lexikon der Filmbegriffe

heiße und kalte Medien

Marshall McLuhan geht davon aus dass Medien die Art und Weise der Weltwahrnehmung bestimmen, prägen, überformen. Seiner Meinung nach sollte man bei der Untersuchung der Medien nicht von der Bedeutung bzw. dem Inhalt der „message“ ausgehen, sondern von der Wirkung, die ein Medium auf ein kulturelles Umfeld hat. Medien zeitigen McLuhan zufolge „klimatische Effekte“, je nachdem ob sie „heiß“ oder „kalt“ sind. Heiße Medien sind seiner Meinung nach detailreich, liefern viele unterschiedliche Daten, sprechen jedoch hauptsächlich einen Sinn an. Demgegenüber übermitteln kühle Medien quantitativ und qualitativ weniger Informationen, weshalb die Rezipienten aktiver beteiligt sind, um die Mitteilungen zu ergänzen und zu vervollständigen. Kühle Medien erfordern laut McLuhan eine multisensorische Replik, schließen eigene sinnliche Wahrnehmung ein, sie vitalisieren, wohingegen heiße Medien sinnliche Eigenaktivitäten unterbinden, ausschließend wirken und deshalb hypnotisieren. McLuhan hatte die Vision, dass ganze Kulturen mit Hilfe der jeweils entsprechenden Medien so beeinflusst werden könnten, dass man sie in ihrem politischen/kulturellen Klima stabilisiert, indem man in eine zu heiße Zivilisation ein kühles Medium transplantiert bzw. vice versa.
Die Unterscheidung in heiße und kalte Medien ist vor allem hinsichtlich des Fernsehens, welches McLuhan als „cooles“ Medium betrachtet wissen will, von geringer analytischer Schärfe. Entscheidend ist jedoch der lange nicht zur Kenntnis genommene Aspekt der von Medien indizierten Sinnesorganisation der je nach Leitmedium paradigmatisch für die Wahrnehmung als solche ist. Weltwahrnehmung ist demnach abhängig von medialen Konstellationen, von technisch vermittelten gesamtgesellschaftlich wirksamen Wahrnehmungskonditionen.

Literatur: McLuhan, Marshall: Understanding of Media. The Extensions of Man. New York: New American Library 1964; New York: McGraw-Hill 1964; London: Routledge Kegan Paul 1964; London: Sphere Books 1967; krit. Ausg.: Corte Madera, Cal.: Gingko Press 2003. Dt. als: Die magischen Kanäle = Understanding Media. Düsseldorf/Wien: Econ 1968, 1992; Frankfurt: Fischer 1970; Dresden: Verlag der Kunst 1994; 2., erw. Aufl. Basel: Verlag der Kunst 1995.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: DK


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