Lexikon der Filmbegriffe

sentimental comedy

auch: comedy of sentiment, drama of sensibility; dt.: weinerliches Rührstück; franz.: comédie larmoyante

Literatur- und theatergeschichtlicher Terminus, mit dem ein Komödientyp des 18. Jahrhunderts bezeichnet wird, der sich als Reaktion auf die als solche empfundenen sittlichen Freiheiten und moralischen Zügellosigkeiten der sogenannten Restaurationskomödie etablierte. Als eine Art Subgenre der comedy of manners stellen diese Komödien lieber das moralisch-sittlich Erstrebenswerte heraus und meiden die Niederungen und Nachtseiten des menschlichen Charakters, zeigen oft eher einfache, manchmal schematisch gezeichnete empfindsame, verständige, großmütige und moralisch gute Helden, die stets ein offenes Ohr für die Mühen und Leiden ihrer Mitmenschen haben.
Obgleich historische Stücke dieser Ausrichtung heute selten aufgeführt werden, findet sich der Ausdruck gelegentlich in filmwissenschaftlichen Arbeiten und im Bereich der Filmkritik zur Genreindizierung, wobei Abgrenzungen zum Melodrama bzw. zur satirischen Komödie oft nur recht schwierig vorzunehmen sind. Beispiele sind neben einigen Regiearbeiten von D.W. Griffith aus seiner Biograph-Zeit so unterschiedliche Filme wie Going My Way (Der Weg zum Glück, USA 1944, Leo McCarey), mit Bing Crosby als singendem Kaplan in einem New Yorker Armenviertel, Sommarnattens Leende (Das Lächeln einer Sommernacht, Schweden 1955, Ingmar Bergman), ein komplexes, zuweilen satirisches Spiel mit alten Komödienformen um Partnerfindungen und das Geheimnis der Liebe, oder Jerry Maguire (USA 1996, Cameron Crowe) mit Tom Cruise als plötzlich tugendhaft gewordenem, berufsuntypisch moralischem Sportagenten.

Referenzen:

Sittenkomödie


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: LK


Zurück