Lexikon der Filmbegriffe

Agitki

von russ. agitacija = Agitation; engl. manchmal: agit-films

Als Agitki wurden in der nachrevolutionären Sowjetunion 5- bis 30minütige Kurzfilme bezeichnet, die in oft sehr einfacher Form Themen der Politik, Produktion, Gesundheit und Hygiene zu popularisieren suchten. Sie entstanden in den Jahren des Bürgerkrieges (1917-1921), als Filmmaterial noch äußerst knapp war. Gleichwohl hatte das bolschewistische Regime schon 1917 in Moskau ein Kino-Kommittee eingerichtet, dessen Vorsitzender Dziga Vertov wurde; es hatte die Aufgabe, den Sieg der Revolution zu dokumentieren und öffentlich vorzuführen. Agitki, die nahezu die gesamte russische Filmproduktion der Jahre 1917 bis 1921 darstellen, wurden vor allem durch das Netz der Kinozüge im ganzen Land verbreitet. Sie nahmen dabei oft die Funktion eines nationalen Nachrichtenmediums an, weil sie in dem linguistisch und geografisch bis zur Fremdheit der Bevölkerungsteile differenzierten nachzaristischen Reich eine zusammenhängende Informationskultur entstehen ließen. Insbesondere Vertov, aber auch andere begannen das Material nicht nur zu „montieren“ – die Anfänge der Montagetheorien entstanden in der Arbeit an den kurzen Agitki-Filmen –, sondern auch expressiv zu überarbeiten (durch Viragierung des Materials, mittels expressiver Zwischentitel, die oft revolutionäre Slogans verkündeten, schließlich durch Formen der Montage). Es entstand die Gruppe der Kinoki, die die Arbeit mit Agitki-Filmen zum Zentrum einer Filmtheorie machte (und in deren Kontext auch Vertovs eigene Theorie des „Kino-Glaz“ gehört). Die Arbeit der frühen Gruppen mündete das Projekt der Kino-Pravda ein.
 

Referenzen:

Agitprop

Kino-Glas

Kinoki

Kinozug


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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