Lexikon der Filmbegriffe

Autorentheorie

franz.: politique des auteurs, engl.: autheur theory

Als politique des auteurs von französischen Kritikern der Filmzeitschrift Cahiers du Cinéma in den 1950er Jahren eingeführte Strategie mit dem Ziel, Hollywood-Regisseure aufzuwerten. Anstatt sie als Handwerker im arbeitsteiligen Studiosystem anzusehen, wurde Regisseuren wie Alfred Hitchcock, Otto Preminger, Howard Hawks oder Sam Peckingpah eine künstlerische Identität zugesprochen, da ihre Werke eine sowohl formale als auch thematische Kontinuität erkennen ließen. Die politique des auteurs ist keine ausgearbeitete Theorie. Die aus dem Umfeld der französischen Nouvelle Vague stammenden Kritiker wollten vielmehr einen methodischen Brückenschlag zu ihren Lieblingsregisseuren im amerikanischen Studiosystem schlagen.
Zur Autorentheorie im engeren Sinne entwickelte sich der Ansatz erst, als Filmtheoretiker wie Andrew Sarris in den frühen 1960er Jahren begannen, die Grenze zwischen Künstler und Werk radikal in Frage zu stellen. Sarris ließ den Autorenbegriff gelten, wenn eine „bedeutsamen Kohärenz“ im Verlauf mehrerer Werke eines Regisseurs festzustellen war. Im Gegensatz dazu verortet der „cine-structuralism“ von Peter Wollen Autorenschaft in der Einzigartigkeit und Exzentrik eines Werkes: Je origineller und individueller die Gestaltung, desto größer seine auktorielle Substanz.
Die Autorentheorie erfreut sich innerhalb der Filmkritik ungebrochener Beliebtheit und bildet eine der wohl einflussreichsten Interpretationsfolien. Für die Filmindustrie dient Autorenschaft häufig der besseren Vermarktbarkeit eines Films und wird zu einem Starimage und Warenlogo aufgebaut – man denke an Filmtitel wie Tim Burton’s Nightmare before Christmas (1993, Henry Selick) oder die TV-Serie James Cameron’s Dark Angel (2000-2002).

Literatur: Bazin, André: De la politique des auteurs. In: Cahiers du Cinéma 70, 1957. – Sarris, Andrew: The American Cinema – Directors and Directions 1929-1968. New York: Dutton 1968. – Hollows, Joanne/ Jancovich, Mark: Approaches to popular film. Manchester: Manchester University Press 1995.

Referenzen:

auteur

Autorenfilm: Frühzeit

Nouvelle Vague

Ouevre

Pantheon

Tod des Autors

Touch

writeur


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: HM


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