Lexikon der Filmbegriffe

Panoptikon

lat. Panopticum; dt. auch: Panoptikum

(1) Argus Panoptes ist eine Figur der griechischen Mythologie, die oft als „der Allsehende“ (auch: „der alles sieht“) bezeichnet wurde. Frühen Quellen nach hatte er vier, jüngeren folgend 100 Augen. Das Modell des „Allsehens“ wurde als „panoptes“ verallgemeinert und findet sich im 18. Jahrhundert mehrfach wieder. Vor allem bezeichnete ‚panopticon‘ die Gefängnisarchitektur Jeremy Benthams (1791), des Begründers des Utilitarismus: Sie bestand aus einem Rundbau, der durch einen Beobachtungsturm im Zentrum die nach innen hin einsehbaren Zellen der permanenten Überwachung aussetzte. Die Gefangenen des Panoptikums sahen den Wächter nicht, waren aber einer potentiellen ständigen Überwachung ausgesetzt, die ein andauernd diszipliniertes Verhalten erzwingen sollte. Diese Konstruktion erinnerte nicht zufällig an George Orwells Dystopie vom totalen Überwachungsstaat und wurde von Foucault als Metapher eines ungefilterten Bemühens darum, das gesellschaftliche Subjekt durch Sichtbarkeit kontrollierbar zu machen, eingeführt. Heute wird „Panoptikon“ als allgemeine Metapher des Informations- und Überwachungsstaates verwendet.

Literatur: Whitaker, Reg: Das Ende der Privatheit. Überwachung, Macht und soziale Kontrolle im Informationszeitalter. München: Kunstmann 1999. Engl. Orig. 1999.

(2) Eine frühe Kamera, die Major Woodville Latham und seine Söhne entwickelt hatten, nannte sich „Panoptikon“ (auch: ‚Panopticon‘) und wurde später als ‚Eidoloskop‘ weiterentwickelt. Obwohl Latham 51mm-Material verwendete, gelang es nicht, die Projektionsqualität des 35mm-Materials zu erreichen, das Edison verwendete, so dass das System bald vom Markt verschwand. 
 

Referenzen:

Eidoloskop

Latham-Schlaufe


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: HJW


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