Lexikon der Filmbegriffe

Verleih: Vermarktungsstrategien

In den USA werden mehrere verschiedene Strategien, einen Film in einem nationalen Kinomarkt auszuwerten, unterschieden: (1) Der „deckende Verleih“ (saturation release) ist wohl nur den größten und finanzstärksten Verleihern möglich (wie Warner Bros., Paramount, MCA/Universal, Disney). Hierzu bedarf es enormer Werbeaufwendungen sowie einer sehr hohen Kopienzahl – in den USA geht man von 1.500 bis 2.500 Kopien aus. (2) Beim „stufenweisen Verleih“ (platform release) werden zunächst nur die 10-20 wichtigsten Orte (New York, Boston, Chicago etc.) mit ca. 10 Kopien bespielt; im zweiten Schritt werden die Kopien auf bis zu 30 in jeder dieser Städte erhöht (mit insgesamt 150-600 Kopien); erst im dritten Schritt werden auch kleinere Städte mit den vorhandenen Kopien bedient. Diese Form wird von finanzschwächeren Verleihern wie Miramax, New Line, MGM/UA bevorzugt. (3) Beim „erprobenden“ resp. „begrenzten Verleih“ (limited release) wird ein Film zunächst in wenigen großen Städten gespielt; erst dann, wenn die Einspielergebnisse zufriedenstellend sind, wird der Film „stufenweise“ eingesetzt (s.o.). Beispiele aus jüngerer Zeit sind The Crying Game (Miramax) or Slingblade (New Line). Oft wird der begrenzte Einsatz auch nur zu Werbezwecken gemacht, der Film soll eigentlich im Kabel oder als Video-/DVD-Kopie vermarktet werden. Regency, Polygram, Savoy oder auch Gramercy sind Verleiher, die diese Strategie bevorzugen. (4) Beim „regionalen Verleih“ (market-by-market release) hat der Verleiher nicht Geld genug für eine deckende Auswertung; stattdessen bedient er mit 20-40 Kopien nacheinander einzelne Regionen der USA; für die gesamte nationale Auswertung können mehr als 12 Monate vergehen. Firmen wie Samuel Goldwyn, Fox Searchlight, Trimark und Mandalay bevorzugen diese Form, die manchmal auch road show genannt wird. (5) Eine „Kunstkino-Auswertung“, wie sie typischerweise bei Nicht-US-Filmen, Independent-Filmen und ähnlichem erfolgt, findet mit bis zu 10 Kopien in kleineren Arthouse-Kinos in großen Städten statt. Bei ausreichendem Publikumsinteresse kann der Film als road show weiter ausgewertet werden. Insbesondere Fine Line startet seine Filme in dieser Strategie. (6) Bei der „Einzelauswertung“ (four walling) mietet der Anbieter ein Kino und umgeht so zur Kostenreduzierung den Verleih. Das Four-Walling ist typisch für extremes Autorenkino, politisches Kino und dergleichen mehr, aber auch für Special-Interest-Angebote wie Ski- oder Surf-Filme. (7) Schließlich gibt es eine Auswertung von Filmen außerhalb des Kinos (non-theatrical) als Video oder DVD, im Hotelfernsehen, im Pay-per-View-Verfahren usw.

Literatur: Donahue, Suzanne Mary: American Film Distribution. The Changing Market Place. Ann Arbor: UMI Research Press 1987. – Neale, Stephen / Smith, Murray (eds.): Contemprary Hollywood cinema. London/New York: Routledge 1998. - Wyatt, Justin: From Roadshowing to Saturation Release: Majors, Independents, and Marketing/Distribution Innovations. In: The New American Cinema. Ed. by J. Lewis. Durham: Duke University Press 1998, S. 64-86.
 

Referenzen:

first run

Verleih


Artikel zuletzt geändert am 18.01.2012


Verfasser: JH


Zurück