Lexikon der Filmbegriffe

cinéma du look

Das cinéma du look ist eine Gruppe meist französischer Filme, die sich durch ein ebenso auffallendes wie nicht-naturalistisches Environment der Handlung auszeichnen. Kulissen und Handlungsorte sind höchst artifiziell gestaltet, intensive und äußerst künstlich wirkende Farb- und Lichteffekte verstärken den Eindruck von Manierismus, Irrealität der Handlungswirklichkeit, Stilisiertheit der Orte, Figuren und Szenen. Das Mise-en-Scène ist erkennbar in Studiokulissen angesiedelt, technisch brillant, an (Sozial-)Realismus oder aber auch an psychologischer Ausdeutung der Handlungsräume desinteressiert. Die Kulissen und Inszenierungen des cinéma du look dienen dazu, romantische Liebesgeschichten, phantastische Geschehnisse, Parabelhaftes einzukleiden. Die Anlehnungen an die „glatten“ Ästhetiken von Werbung und Musikvideo, aber auch an die künstlichen Welten von Cartoons und Computerspielen sind offensichtlich. Das Desinteresse an Realität, ihr offener Scheinwelt-Charakter und die offensichtlich anspielenden Qualitäten der Filme der Gruppe legten es nahe, sie als ein genuin postmodernes Kino anzusehen, sie gar als „neobarockes“ Kino auszuweisen.
Eine erste Welle von Filmen des cinéma du look wurde mit Jean-Jacques Beinix‘ Diva (1981) eröffnet. Beinix‘ 37,2° le Matin (aka: Betty Blue, 1986), Luc Bessons Subway (1985), Nikita (1990) und Léon (1994), Leos Carax‘ Mauvais Sang (1986) und Les Amants du Pont-Neuf (1988), Jean-Pierre Jeunets und Marc Caros Delicatessen (1991) oder La Cité des Enfants perdus (1995) setzten den Stil fort, der sich noch in Sexy Beast (2000) des Musikvideo-Regisseurs Jonathan Glazer erhalten hat.

Literatur: Allmer, Patricia: "Window Shopping"? Aesthetics of the Spectacular and Cinéma du Look. In: Scope, Feb. 2004, ULR: http://www.nottingham.ac.uk/film/journal/articles/window-shopping.htm. - Hayward, Susan: Luc Besson. Manchester/New York: Manchester University Press 1998. – Powrie, Phil: Jean-Jacques Beineix. Manchester: Manchester University Press 2001.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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