Lexikon der Filmbegriffe

Anthologiefilm

engl. manchmal: compendium film

(1) Ein Film, der aus einer Sammlung von Kurzfilmen besteht – oft zu einem übergeordneten gemeinsamen Thema, manchmal mit gemeinsamen Schauspielern –, wird „Omnibusfilm“ oder anthology film genannt.


(2) Ein anthology film (zu deutsch eher unüblich: Anthologiefilm) ist aber auch eine Sonderform des Kompilationsfilms, bei der Ausschnitte aus anderen Filmen zu einem jeweils besonderen Thema vereinigt werden. Oft übernimmt ein berühmter Alt-Star die Moderation, so dass die Stücke wie Teile einer persönlichen Präsentation wirken. That‘s Entertainment (1974; Teil 2: 1976) z.B. ist eine lose Folge von Ausschnitten aus amerikanischen Musicals der 1930er bis 1950er Jahre, die von noch lebenden Musicalstars wie Fred Astaire, Bing Crosby und Gene Kelly begleitet werden. Der meist schwärmerische Ton der Präsentation prädestiniert die Textform dazu, die Geschichte von Genres, Studios, Stilen nostalgisch zu feiern.


Eine sehr prägnante und eigenständige Gruppe von Anthologiefilmen sind Amateurfilme, die zu (wiederum oft nostalgisch verbrämten) Anthologien zusammengefasst werden – mit den diversen Arbeiten Michael Kuballs liegen ja einige sehr interessante Beispiele vor (zu verweisen ist u.a. auf das siebenteilige Familienkino, 1978-79, das vierteilige Volkskino: Amateurfilme der DDR, 1991, oder das sechsteilige Cinememo, 1991). Für den ästhetischen Reiz dieser Sammlungen ist die Tatsache, dass sie von Historischem handeln, viel weniger wichtig als Übergang aus einer Sphäre privater Kommunikation, familiärer Erinnerung und Selbstvergewisserung in einen Kontext öffentlicher Rede, in dem das, was im ursprünglichen Kontext wichtig und das Anliegen gewesen ist, oft nur eine geringe oder gar keine Rolle spielt. 
 

Referenzen:

Episodenfilm

Omnibusfilm

package film


Artikel zuletzt geändert am 15.06.2016


Verfasser: HJW


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