Lexikon der Filmbegriffe

Bericht

(1) Unter „Bericht“ versteht man eine tatsachenbezogene, um Objektivität bemühte Darstellungsform, die sachlich-nüchtern und knapp einen Handlungsablauf ohne ausschmückende Abschweifungen, ohne dramatisierende Überhöhungen beschreibt. In dramatischen Formen dient der Bericht oft dazu, die Handlung voranzutreiben (zumal dann, wenn die Darstellung durch den „Botenbericht“ dazu führt, dass das eigentliche Geschehen – Schlachten, amouröse Geschehnisse und ähnliches – nicht inszeniert werden muss. Der Bericht ist oft begleitet von anderen Formen, die Bedeutung des Geschehens zu klären (Erörterung, Bewertung u.ä.), so dass die Aufmerksamkeit des Publikums eher auf die Bedeutung des Geschehenen als auf das Geschehen selbst gerichtet wird.
(2) Im Unterschied zur „Nachricht“ erhellt die journalistische Gattung des „Berichts“ auch die Zusammenhänge, Hintergründe und die Vorgeschichte des Ereignisses in Rede. Der Berichterstatter (Korrespondent, Reporter) gilt als Augenzeuge des Geschehens, seine Nähe zum Ereignis authentifiziert den Wahrheitsgehalt und die Aktualität des Berichts. Ihm wird Objektivität und Neutralität abverlangt, eigene Meinungen, Bewertungen etc. sollten darum immer ausdrücklich gekennzeichnet sein (oft als Meinungen von Beteiligten, Betroffenen etc.).
(3) Der in der Nähe des „Tatsachenromans“ angesiedelte „Tatsachenbericht“ ist eine Randform des Berichts: Ausdrücklich ist er auf tatsächliches Geschehen bezogen, das allerdings in sich so dramatisch ist, dass es dramatische Affekte wie Spannung, Überraschung, auch Empörung etc. ansprechen kann. Gefordert ist aber auch hier eine Zurückhaltung im Umgang mit Bewertungen.
(4) In den Nachrichtenformen des Hörfunks bezeichnet man den abgelesenen längeren Text (abgesehen einzig von Nachrichten, Wetterberichten und Verkehrsdurchsagen) als Bericht. Enthält er Originaltöne, heißt er gelegentlich auch „O-Ton-Bericht“.

Literatur: Jahn, Wanda: Wesen und Formen des Berichts im Drama, veranschaulicht an Beispielen aus Schillers Dramen. Berlin: Ebering 1931 (Germanische Studien. 103.). Repr. Nendeln/Liechtenstein: Kraus 1967. – Obmann, Karl: Der Bericht im deutschen Drama. In: Die Bezeichnungen der deutschen Dramen von den Anfängen bis 1740. Hrsg. v. Karl Adolf Schild. Giessen: von Münchow 1925, S. 48-75 (Giessener Beiträge zur deutschen Philologie. 12.).
 

Referenzen:


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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