Lexikon der Filmbegriffe

Gebrauchsfilm

engl.: utility film

(1) Spricht man von einem „Gebrauchsfilm“, rückt man den Kontext der Rezeption des Filmes oder seiner Verwertung in das Zentrum; ästhetische, historische und ähnliche Qualitäten treten dagegen zurück. Es lassen sich drei Verwendungsweisen isolieren: Filme im Kontext politischer und aufklärerischer Arbeit – dazu rechnen etwa Anti-Akw-Filme, Filme zur Dritte-Welt- Problematik, Frauen-Filme, Filme zur Friedensbewegung, Filme zur Psychiatrie(-Reform); Filme in subjektiven Gebrauchshorizonten – zur Vergnügung, zur Einstimmung auf gesellschaftliche, erotische und ähnliche Anschlusstätigkeiten etc.; Filme in pädagogischen Kontexten – Lehr- und Aufklärungsfilme, Verkehrs- und Arbeitssicherheitsfilme etc..
„Gebrauchsfilm“ ist analog gebildet zu „Gebrauchsliteratur“, die solche literarischen Formen zusammenfasst, die an bestimmte Zwecke gebunden ist (Andachtsbücher, Kalendergeschichten, Reklametexte etc.). Die eher zufällige Wortbildung „Gebrauchsfilm“ steht zudem im Zusammenhang mit Bertolt Brechts Rede von der „Gebrauchskunst“, die er der der „Kunstreligion“ entgegensetzte. Auch hier steht die Idee einer aktiven Rolle des Publikums ganz im Zentrum – Lehrstücke etwa, die der Gebrauchskunst zugehören, nannte Brecht „Typus theatralischer Veranstaltung mit pädagogischer Zielsetzung“ und setzte voraus, dass die Beteiligten an einer solchen Aufführung – von Zuschauern bis zu Schauspielern – von Gestaltungsverlauf, Aufführung und Diskussion bis zum ganzen Spielprozess direkt und aktiv am Stück und an den durch das Stück induzierten Prozessen teilnähmen.
(2) Filme in archivalischem Kontext – hier wird meistens die Sicherheits- der Gebrauchskopie entgegengestellt; erstere verbleibt im Archiv, nur mit zweiterer kann gearbeitet werden.
 

Referenzen:

ephemere Filme


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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