Lexikon der Filmbegriffe

Mandala-Filme

Das psychedelische Kino, das sich seit Beginn der 1950er Jahre um die Darstellung von Rauscherfahrungen bemühte, stieß gleichzeitig auf die Erfahrung der Meditation. James Whitney machte schon 1950 den Versuch, Bilder zu Yoga-Erfahrungen in Beziehung zu setzen. Sein Zeichenfilm Yantra (1957), an dem er insgesamt zehn Jahre arbeitete, ist als Meditationsmittel konzipiert. Seitdem tauchten immer wieder Filme auf, die zu reiner Versenkung einladen – und gerade die Mandala-Darstellungen bieten die graphische und farbliche Vorlage. Ein Mandala ist ein im Hinduismus, Buddhismus und Lamaismus verbreitetes kosmologisch-symbolisches Diagramm, das die Formen von Kreis und Quadrat mit figürlichen Motiven kombiniert. Im Zentrum dieses Diagramms sind nicht nur abstrakte Symbole, sondern auch die Buddhas der Himmelsrichtungen dargestellt – und diese sind als Meditationsbuddhas Führer zur letzten Erkenntnis und damit zur Befreiung des Geistes in der Meditation. Mandala-Filme suchen die Zentriertheit der Mandalas ebenso nachzubilden wie ihre Funktion als Meditativum, aber auch ihre kosmologisch-repräsentativen Qualitäten.
Die ersten echten Mandala-Filme stellten John und James Whitney 1963 mit eigens dafür entwickelten Animationstechniken her: An programmierbaren Animationstischen ließen sich aus einfachen abstrakten Formen komplexe Bewegungen generieren. Die Mandala-Kreise oder -Vielecke bildeten dabei ihre Lieblingsmuster (Lapis, 1966). Einer der ersten, die die Formenwelt der Mandala filmisch umzusetzen suchten, war Jordan Belson (Caravan; Mandala; Bob Scotch, alle 1952-53). Eine ganze Reihe von Filmen hat Paul Sharits später zur Gruppe der Mandala-Filme beigetragen: Piece Mandala (aka: End War, 1966) etwa changiert zwischen Farbtafeln und Schwarzweiß-Aufnahmen eines liebenden Paares; T,O,U,C,H,I,N,G (1968) ist dagegen ein reines Farbspiel in Mandala-Graphiken.

Literatur: Brauen, Martin: Das Mandala. Der Heilige Kreis im tantrischen Buddhismus. Köln: DuMont 1992. – Bühnemann, Gudrun: Ma.n.dalas and Yantras in the Hindu Traditions. Leiden/Boston: Brill 2003. – Holitzka, Klaus / Niemuth, Jochen: Das Mandala als Grundstruktur des Universums. Seeon: Falk 1994.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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