Lexikon der Filmbegriffe

Konflikt

Der Konflikt als textumgreifende Größe ist meist personalisiert und in der Dualität der Funktionsrollen von Prot- und Antagonist ausgefaltet. Kollidierendes Handeln meint genau die aufeinander bezogenen, einander opponierenden Rollen von Prot- und Antagonist, die einander an der Erreichung ihrer umgreifenden Ziele zu behindern versuchen. Häufig streben beide Handlungspartner sogar das gleiche Ziel an. Als Grundeinheit der Realisierung des Konfliktes ist oft das Doppel von Figur und Handlung angesehen worden. Handlung ist eng mit dem Handlungsziel koordiniert, das wiederum unter dem textumgreifenden Ziel der handelnden Figur lokalisiert ist.
Will man den Konflikt unter der Perspektive der handelnden Figur bestimmen, entsteht er durch das Gefüge der Kräfte, die der Erreichung des textumgreifenden Handlungsziels entgegenstehen. Der Handlungsraum ist zugleich ein Konfliktfeld, auf dem sich die Figuren orientieren müssen; das Konfliktfeld umfasst darum vor allem die komplementären Interpretationen des Handlungsfeldes. Konfliktfelder sind nicht statisch, sondern dynamisch, sie verändern sich mit jeder Handlung. Die Handlungen nehmen Bezug auf die Interpretation des Handlungsfeldes, und unter Umständen verändern sie das Handlungsfeld wesentlich (dann ist ein Wendepunkt erreicht). Zur Bestimmung der Lage, in der sich das Konfliktfeld befindet, bedarf es der Durchdringung beider Perspektiven des Konfliktes, sowohl der prot- wie auch der antagonalen. Die Rekonstruktion der komplizierten, aus mindestens zwei komplementären Sichten gespeisten Innensicht des Handlungsfeldes nennt man Empathie

Literatur: Gellrich, Michelle: Tragedy and theory. The problem of conflict since Aristotle. Princeton, NJ: Princeton University Press 1988.
 

Referenzen:

Parteienkonflikt


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


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