Lexikon der Filmbegriffe

Postfordismus

In der klassisch-kapitalistischen Produktionsweise wurde von einem internen Prinzip der Rationalisierung und einer damit verbundenen Kostensenkung ausgegangen, wie es sich in der Fließband-Produktion am sinnfälligsten manifestierte (darum auch die Bezeichnung „Fordismus“ nach dem Erfinder des Fließbandes Henry Ford). Ist die Regulation der Produktion hier in höchstem Maße mit einer Kontrolle des Marktes und der Distributionswege verbunden, haben sich seit den 1970er Jahren eine ganze Reihe von Flexibilisierungsformen herausgebildet, die als „Postfordismus“ zusammengefasst werden. Wesentliche Bestandteile der Lean-Production-Philosophie, der Theorie der „flexiblen Massenproduktion“, der „Neuen Produktionskonzepte“ oder der „Systemischen Rationalisierung“ bilden heute normale Konditionen der Produktion und der Ordnung der Arbeit. Die Hauptmaximen des Postfordismus sind: (1) Das Produktionssystem just in time, bei dem die Menge und das Angebotsspektrum der zu produzierenden Güter und Dienstleistungen aufgrund der Nachfrage der Kundschaft bestimmt werden. Dies führt zu einer permanenten Evaluation der Firmen, die sich beständig an die Nachfragekonditionen anpassen müssen und darum auf eine Flexibilisierung der Arbeitsbeziehungen hindrängen (temporäre, befristete und Teilzeit-Beschäftigungen). (2) Die Aufhebung mancher Formen der Arbeitsteiligkeit und die Flexibilisierung des Arbeitsprozesses und einer Dynamisierung seiner Organisationsformen, damit der Produktionsfluss als Informationsfluss nun reibungsloser ablaufen kann. Arbeit wird zu einer kommunikativen Aktivität – die Einführung neuer Informationstechnologie beschleunigt diese Tendenz. (3) Das Auslagern (outsourcing) aller Produktionsfunktionen, die nicht direkt den zentralen Kern der Firma betreffen. Dies generiert eine neue und beträchtliche Schicht von Selbständigen, die aber den Fluktuationen der Nachfrage – möglicherweise nur durch eine einzige Mutterfirma – ausgesetzt sind. (4) Die Öffnung der nationalen Märkte (Liberalisierung) und die Errichtung von transnationalen Produktionsnetzen (Globalisierung) sowie die Verbreiterung von Verwertungsketten (insbesondere im Medienbereich durch die Rechteverwertung in Kino, Kabel-TV, digitalem Fernsehen, Video und DVD, Internet, Merchandising etc.).

Literatur: Ash, Amin (ed.): Post-Fordism. A Reader. Oxford/Cambridge: Blackwell 1994. – Brand, Ulrich / Raza, Werner (Hrsg.): Fit für den Postfordismus? Theoretisch-politische Perspektiven des Regulationsansatzes. Münster: Westfälisches Dampfboot 2002. – Fraga, Maribel Novo: Make It Fast and I Keep It Moving. Hollywoods Actionfilme nach dem Kalten Krieg. In: Oberflächenrausch. Postmoderne und Postklassik im Kino der 90er Jahre. Hrsg. v. Jens Eder. Münster/Hamburg: Lit-Vlg. 2002, S. 133-167. – Storper, Michael: The Transition to Flexible Specialisation in the U.S. Film Industry: External Economies, the Division of Labour, and the Crossing of Industrial Divides. In: Cambridge Journal of Economics 13,2, 1989, S. 273-305.


Artikel zuletzt geändert am 26.07.2011


Verfasser: HJW


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