Lexikon der Filmbegriffe

Kontinuität

Der Kontinuitätseffekt im Film lässt sich auf einige grundlegende Typen zurückführen. Insbesondere sind die folgenden zu nennen: (a) Kontinuität der Handlung – dieses ist sicherlich der wichtigste und auffallendste Grund, auf dem das Erleben des Zusammenhangs einer dargestellten Handlung ruht; dabei ist die ganze Vielfalt abgebildeten Handelns im Blick: der Zusammenhang eines Dialogs, einer Reise, einer instrumentellen Handlung, einer dialogischen Handlung wie einer „Verfolgungsjagd“. (b) Kontinuität der Bewegungsrichtung; wünscht man eine Veränderung der Position oder der Richtung einer Bewegung, sollte diese Bewegung vom Objekt ausgeführt werden oder durch eine Kamerabewegung oder durch eine Kombination beider Möglichkeiten; auf jeden Fall sollte die Bewegung sichtbar sein; Veränderungen der Richtung sollten also dargestellt sein. (c) Objektpertinenz – es wird auch dann an der Einheit eines Objektes festgehalten, wenn es sich unter der Hand wandelt (z.B. in morphing-Sequenzen); oft sind Pertinenz und Richtung miteinander kombiniert – verlässt eine Person in Einstellung A den Bildraum nach links, muss sie diesen in B von rechts wieder betreten. (d) Kontinuität des Raums; vor allem für die Fragen der Montage ist die Raumkontinuität bedeutsam, die aber wiederum auf anderen Typen der Kontinuität beruhen kann; wird z.B. von der Außenansicht eines Hauses auf eine Aufnahme der Küche geschnitten, sagt die Konvention, dass es sich um die Küche dieses Hauses handelt. Weil die Kontinuitätserwartung so dominant ist, kann der Film „künstliche Räume“ schaffen, denen keine vorfilmische Realität entspricht (Kuleschow kombinierte verschiedene Aufnahmen von verschiedenen Orten, die durch die Montage in der Rezeption zur Vorstellung eines einheitlichen Gebäudes verschmolzen wurden).
 

Referenzen:

180-Grad-Regel

Achsensprung

Anschluss

Anschluss: Auftritt / Abtritt

Anschluss: Bewegungskontinuität

cheat cut

continuity system

direktionale Kontinuität

Handlungsachse

kreative Geographie

Passage

plot hole

shot flow

Tunneleffekt

Zwischenbild


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück