Lexikon der Filmbegriffe

Amphibischer Film

auch: Amphibienfilm; von griech amphi = beide, doppelt; als amphibisch bezeichnet man Lebewesen, die sowohl im Wasser als auch an Land leben

Mit dem Film-Fernseh-Abkommen wurde 1974 die scharfe Konkurrenz zwischen der bundesrepublikanischen Film- und Fernsehindustrie beendet. Im Zentrum des Abkommens stand von nun an eine kreuzmediale Multiverwertung von Filmen: Erst nach Ablauf einer gewissen Zeit (ursprünglich zwei Jahre, heute oft sechs Monate oder sogar noch weniger) sollten die Filme einer Zweitverwertung (im Fernsehen, später auch auf Video) zugeführt werden. Der Produzent und damalige Chef der Fernsehspielabteilung im WDR Günther Rohrbach taufte Filme, die dergestalt von vornherein für eine Auswertung in Kino und Fernsehen vorgesehen waren, als „amphibische Filme“. Inzwischen hat sich die Praxis eingebürgert, Filmprojekte ab einer gewissen Größenordnung beim gleichen Dreh in verschiedenen Längen zu produzieren. Das ist zwar durchaus internationale Praxis (Robert Altmans Vincent and Theo, USA 1990, hatte etwa in der Kinofassung 138min, in der zweiteiligen Fernsehfassung dagegen 194min Länge), findet aber immer wieder massive Kritik – die Bildkonzepte für Kino und Fernsehen seien unterschiedlich, das Fernsehen setze seine ästhetischen Erwartungen durch, weil es finanziell stärker ausgestattet sei als die Kinoindustrie, gerade der Mehrdreh für die Langfassung müsse mit übergroßem Zeitdruck beim Dreh erkauft werden etc.

Literatur: Rohrbach, Günther: Das Subventions-TV. Plädoyer für den amphibischen Film. In: Jahrbuch Film, 1977/78, 1978, S. 95-100.
 

Referenzen:

Film-Fernseh-Koproduktion


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: HHM


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