Lexikon der Filmbegriffe

Archenfilm

engl.: ark film

Die Bezeichnung „Archenfilm“ findet sich gelegentlich als Beschreibung von Filmen, deren räumliche Abgeschlossenheit an die Situation von Noahs Arche erinnert – die Akteure sind abgeschlossen vom Rest der Welt und müssen ihre Probleme ganz für sich lösen. Die Settings, die derart als gesellschaftliche Mikrokosmen oder aber auch als Residualräume ausgegrenzt werden können, umfassen einzelne Zimmer (Una Giornata particolare, 1977), Hotels oder Geschäfte, vor allem aber Schiffe, Flugzeuge, Inseln und ähnliche isolierte Räumlichkeiten. Zu den Beispielen gehören zahllose Action-Filme, in denen es um Überlebenskämpfe geht (The Poseidon Adventure, 1972; Airport, 1979) einschließlich vieler Robinsonaden (La Mort en ce Jardin, 1956), die das Überleben im abgeschiedenen Raum als Bewährungsprobe durchspielen. Dazu rechnen aber auch kritische Filme, die die Herausbildung von Gesellschafts- und deren Degenerationsformen darstellen und dazu auf die Isolation des Handlungsortes zurückgreifen (Lord of the Flies, 1963, 1990; Chuchelo / dt.: Die Vogelscheuche, 1983).

Eine innere Tendenz zur „Archenlage“ des Handlungsraums haben insbesondere auch zahlreiche Seifenopern, die kein gesellschaftliches „Außen“ kennen und ihr Welt- und Gesellschaftsmodell nahezu ausschließlich mit dem eigenen Personal hervorbringen. Gerade dies unterscheidet aber derartige Formen, die als soziale Sonderwelten auftreten, von den Archenfilmen, die immer die Existenz einer umfassenderen Mutter-Realität oder -Gesellschaft behaupten und daraus gerade die – dramatische – Isolation des Archenraums gewinnen. 


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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